sternstunden des deutschen musikgeschmacks

es ist mal wieder so weit. ich fühle mich zurückversetzt in eine zeit, in der ich mich wochenlang selbst überbieten musste – in der kategorie fremdschämen. darin bin ich weltmeister, damals hat mich das allerdings wirklich viel, viel kraft gekostet: „eine insel mit zwei bergen“ auf platz 1 der deutschen single-charts. das düfte mittlerweile 15 bis 20 jahre her sein, ich weiß es nicht – nicht mehr, nach der erfolgreichen gehirnwäsche, der ich mich irgendwann unterzogen habe. vor nicht allzulanger zeit das gleiche drama wieder: schni-schna-schnappi belästigte mich mit einer omnipräsenz, die ihresgleichen suchte – und ebenfalls GANZ weit oben in den single-charts fand.

heute erfahre ich, dass die musikalische geschichte dieses landes wieder einmal einen traurigen höhepunkt erreicht hat: schnuffel! schnuffel, dessen existenz mir sowieso ein rätsel war, weil ich von ihr ausschließlich aus klingelton-abrufmöglichkeiten beim zappen erfahren habe – in der regel direkt vor der „2 für „apologize““. aber ich weiß ja auch nicht alles.

und jetzt mal zum wesentlichen: platz 1? also PLATZ 1?!?!? mit einem direkteinstieg!!! wer in herrgottsnamen kauft denn sowas?? kids, ja – klar. aber soviele gibts ja nun auch wieder nicht.. vor allem keine, die mit klarem verstand und vor allem rechtlichem segen dieses funktionierenden systems eine gültige willenserklärung abgeben dürfen. gut, wahrscheinlich kaufen ihre eltern dann ein. aber für platz EINS müssen wirklich, wirklich viele exemplare dieses hochwertigen liedguts verkauft werden und die befürchtung liegt nahe, dass da irgendwas nicht mit rechten dingen zugeht..

und nebenbei bemerkt sprechen wir hier zum wiederholten male über etwas, was nicht existiert, genauso wie der bescheuerte frosch, der es aber gottseidank zumindest in deutschland nicht nach ganz oben geschafft hat – wobei der weg dahin schon ziemlich schnell und für mich gleichermaßen beschämend war.

ich werde jetzt einfach jeden menschen, den ich sehe und der garantiert kein kind hat, fragen, ob er an dieser katastrophe beteiligt ist, mal sehen, was für antworten ich bekomme. wahrscheinlich ist das so ein phänomen wie die wiederwahl von george w. bush seinerzeit – den hat ja auch NIEMAND gewählt und doch musste man sich sein gesicht und seine revolutionären ideen noch länger gefallen lassen..

mehr dazu auch bei laut.de , fontblog und nero

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