falling down

eigentlich bin ich ein friedliebender mensch und versuche, keine hassgefühle gegen irgendwas aufkommen zu lassen. das klappt auch ganz gut, bis auf kleinigkeiten wie 80 kmh fahrende twingos auf der linken spur einer dreispurigen autobahn ohne tempolimit und größerem verkehrsaufkommen, klingeltonwerbung und einen meiner ex-freunde. und ikea. ab und zu kommt man aber einfach nicht drumherum, man versucht sich mit händen und füßen dagegen zu wehren, klappt aber in der regel nicht – was sein muss, muss sein. nun hat es mich mal wieder getroffen, ich musste in die blau-gelbe hölle. eigentlich zu jeder tages- und nachtzeit eine qual für jeden, der kein eigenes kind, ergo auch kein verständnis für den krach dort hat (der existiert nämlich trotz smaland IMMER); alleine dort hin muss und generell eher gar nicht so auf ikea steht, aber in der not..

mein nächstgelegener ikea liegt hinter der französischen grenze, ca. 20 km weit weg von zuhause. praktisch nah dran, weil der nächste deutsche etwa 60 km weit weg ist. nach intensiver recherche auf ikea.fr und rückfragen bei diversen in frankreich lebenden arbeitskollegen habe ich beschlossen, wieder einmal 40 km weiter zu fahren, da meine französischkenntnisse mit beendigung meiner schule ad hoc nicht mehr gefördert wurden, franzosen sich aus prinzip weigern, eine andere sprache als die ihre zu sprechen und der gesparte spritverbrauch für 40 km zusätzlich die grundsätzlich höheren preise in frankreich nicht rechtfertigt.

dieses mal habe ich auch endlich dran gedacht, meinem ipod mitzunehmen, damit ich den lärm nicht ertragen muss – weiß nicht ob es bedenklich sein sollte, dass die lautstärke sich nicht höher einstellen ließ.

bei ikea ist es irgendwie immer so, dass ungefähr 40% der besucher familien mit kleinen, lauten kindern sind (btw – ich mag kinder, aber nicht bei ikea), dann noch ungefähr 30% pärchen, die endlich zusammenziehen und ihre gemeinsame hütte einrichten müssen, 20% singles, für die ikea ein notwendiges übel ist und 10% schüler und studenten, die wahlweise ihr zimmer bei den eltern, in der wg oder ihre erste wohnung einrichten möchten/müssen/wollen. ungefähr 90% dieser gesamtmasse an menschen haben eines gemeinsam: sie scheinen beim laufen zu sterben. warum das so ist, weiß ich nicht. aber es fällt immer wieder auf. und zwar unangenehm. ich versuche immer, zwischen der ausstellung an sich hin und her zu springen und grundsätzlich nie den aufgemalten weg zu nehmen, aber mittlerweile klappt auch das nicht mehr. wenn sich nämlich expedit in voller größe und in kombi mit gullholmen und klingsbo in den weg stellen, muss ich zurück auf den pfad der tugend und komme ab dann nur noch mit schneckenartiger geschwindigkeit vorwärts. so ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube ein teil dieser menschen fährt auch mit schrittgeschwindigkeit an rote ampeln in 300 m entfernung heran und fahren bei der parkplatzsuche generell nicht schneller als 6 kmh. aber eben nur ein teil, dem anderen fällt halt einfach beim möbelgucken ein, dass die lebenserwartung in diesem land gewachsen ist, kaufland samstags bis 22 uhr geöffnet hat und er sich deshalb schööön viel zeit lassen kann.

wenn man das erstmal geschafft hat, ohne ungewollt zum massenmörder zu werden (mich hat massive attack gerade noch vor schlimmerem bewahrt), steht einem noch das lager bevor. die leicht technoide plastik-musik, die meine playlist anschließend zum besten gab, hat mich wie einen roboter durch diesen irrsinn von vollkommen bescheuert nummerierten hochregalen geführt, ich habe dann ungefähr 9x meinen wagen wieder entleert um noch schwerere sachen nach ganz unten zu packen. besonders schön war es, die malm-kommode erst einmal von dem stapel zu wuchten – 37 kilo. mein hilfloses umhersehen hat den lageristen nicht wirklich beeindruckt, als ich nämlich noch mal zu ihm hingesehen habe, war er WEG. egal, ich habs meinem rücken noch mal so richtig besorgt und es auch alleine geschafft.

an der wie üblich bis zu den pflanzen reichenden kassenschlange haben mir die foo fighters ins ohr gebrüllt und für die richtige ausgangstimmung für das folgende szenario an der kasse gesorgt: ec-karte abgegeben, 3x versucht, ging nicht. zum automaten gerannt, karte eingezogen: pinnummer mittlerweile zum 4. mal falsch. mastercard nicht dabei, visa nehmen sie nicht. der kassierer, der mich, nachdem er meine karte genau in augenschein genommen hat, immer mit frau xxx angesprochen hat, war fast besorgt, die 40 meter-schlange hinter mir wurde nervös und das ganze drohte in einer peinlichen eskalation meinerseits auszuarten. obwohl ich das schild mit der durchgestrichenen visa-karte deutlich sehen konnte, habe ich ihn trotzdem gefragt. ob er angst vor dem mob hinter mir hatte oder mich beeindrucken wollte weiß ich nicht, ist mir aber auch egal: er hat sie trotzdem genommen, es versucht und siehe da, es hat geklappt.

mit buena vista social club im ohr (die musik hat das nachfolgende irgendwie ungewollt komisch gemacht) bin ich dann raus (ohne hot dog) und habe dann versucht, meinen in einzelteilen zerlegten schrank zum auto zu bringen. prinzipiell kein problem. ich glaube aber, dass die männer, die den ganzen tag über die einkaufswagen einsammeln und zum depot zurückbringen, morgens mit werkzeug bewaffnet eben diese einkaufswagen manipulieren, so dass sie, egal wie man sie schiebt, immer nach rechts abdriften. IMMER. ich habe fast den erstgeborenen einer kleinen familie überfahren, bin danach beinahe in ein auto reingeknallt und habe alles nur verhindert, weil ich heroisch mein schienbein dazwischen geschoben habe. das sieht jetzt übrigens so aus, als ob ich am wochenende eine bis zwanzig runden muay thai vollkontakt-kickboxen hinter mich gebracht hätte.

mein schrank steht übrigens immer noch nicht. also nicht komplett. ich habs zwar versucht, aber ich muss leider wieder zu ikea fahren und UMTAUSCHEN, weil bei einem verbindungspfosten das gewinde falsch gedreht wurde. wird mich gefühlt ungefähr 2 lebensjahre kosten.

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4 Kommentare on “falling down”

  1. mcpavian sagt:

    Heyja, so ist IKEA. Sehr schoen beschrieben, wie es eigentlich immer abläuft. Aber eins hast du vergessen: WARUM kein Hot Dog? Das ist ein MUSS nach einem (teurem ^o^) IKEA Einkauf ;)

  2. vizekoenigin sagt:

    du möchtest nicht wirklich, dass ich die menschenmenge im schweden-shop und am hotdog-zutaten-stand jetzt auch noch beschreibe, oder? ;-)

  3. mcpavian sagt:

    …ist sicherlich so amüsant gewesen wie der Einkauf selbst ;)

  4. sascha sagt:

    bin ich froh, dass es im schweden-shop immer noch absolut wodka zu kaufen gibt…


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