Landliebe Teil 2

Man gewöhnt sich ja an alles. Nächtliche Totenstille, komische Tiere, Heuschnupfen in nie dagewesener Härte, unverständliche Dialekte, Benzinpreise die jenseits von Gut und Böse liegen, traktorbedingte Staus in 30er-Zonen und wiehernde Ponys, die bei nächtlichen Unwettern einfach draußen vergessen werden und versuchen, mit 60 Litern herunterkommendem Wasser pro Quadratmeter klar zu kommen, denen man allerdings nicht helfen kann, weil man ja nicht weiß, wo ihr Stall ist und in mein Wohnzimmer passen sie nicht rein.

Soweit, so belanglos. Ich komme damit klar. Was allerdings wirklich überhaupt gar nicht geht: von der Arbeit nach Hause zu kommen, aus dem Auto zu steigen und fast in Ohnmacht zu fallen, nachdem man den ersten Atemzug außerhalb der wahrscheinlich FCKW-geschwängerten Klimaanlagenluft im Auto nimmt.

Hinter meinem Haus, quasi unter meinem Balkon (lediglich durch einen schmalen Weg getrennt) beginnen unendliche Weiten, bestehend aus wildem Gras, durch das mein Hund antilopengleich hüpft, wenn ich einen Stock oder Ball werfe und er ihn finden muss. Für mich sind die Weiten daher noch ziemlich übersichtlich, dass das Zeug runtergemäht wurde, finde ich aber für noch bessere Wiederauffindbarkeit diverser Wurfgeschosse nicht ganz unpraktisch. Nun hat sich der Bauer, zu dessen Hab und Gut diese Wiese gehört, gedacht: „Ooops, ich brauch ja noch mehr Heu, dieses Jahr!“. Und was tut man dann?

Kuhscheiße auf dem gesamten Feld versprühen!

Als ich aus den Weinbergen am anderen Ende der Stadt weggezogen bin, habe ich mich gefreut, dass ich im Sommer und Herbst keine Fruchtfliegen mehr in meiner in der Regel müllfreien Wohnung haben werde. Ist auch so. Oder wird so sein. Dafür habe ich einfach dauernd Fliegen überall und wenn ich auf meinem Balkon ein bisschen entspannen will, riechts wie in einem Rinderklo. Das Brennen in den Augen lässt zum Glück langsam wieder nach. Nun gut. Werde ich mich sicherlich auch dran gewöhnen..

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5 Kommentare on “Landliebe Teil 2”

  1. Blabbermouth sagt:

    Du wirst Dich nicht nur dran gewöhnen – eines Tages trittst Du morgens auf den Balkon, atmest TIEF ein, reckst und streckst Dich und denkst einfach nur: „Aaaaaaaaaaaaah – was für ein herrlich natürlicher Sommer-Geruch!“

    Alternativ dazu kotzt Du vom Balkon.

  2. fraulehmann sagt:

    Ich würde dich gerne besuchen kommen. Dann atmen wir entweder tief zusammen die Luft ein ODER kotzen gemeinsam vom Balkon :D

  3. westernworld sagt:

    hast du mal beim bürgermeister oder sonstigem amt, mieter- oder whatever verein mal angefragt ob das so zuläßig ist?

    hast du ihm mal gesagt das es dir stinkt oder angedeutet das du in deiner hood in duisburg-nord cracknigger mit lötkolben und beißzangen* kennst die so was auch regeln könnten.

    *bevor hier jetzt die diskussionen losgehen ist ein pulp fiktion zitat.

  4. vizekoenigin sagt:

    @blabber ja. finden meine nachbarn unter mir bestimmt auch echt klasse.. ;-)

    @fraulehmann das ist eine super idee, machen wir. ich frag mal, wann das nächste mal „geheut“ wird! mit etwas glück im hochsommer, dann wirds richtig lustig.. ;-)

    @westernworld ich komm doch gar nicht aus duisburg.. ;-) aber die wetterverhältnisse helfen dabei ein wenig, weiß zwar nicht was so gut ist – hitze oder regen – aber es wird immer erträglicher. dass das zu 100% in ordnung ist, wage ich zu bezweifeln, hab es aber bislang nicht weiter verfolgt..

  5. das nennt man doch dann „apartemooo mit puhl“ oder?! *lol


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