Fünf Sekunden…

…zu lang gemustert. Fünf Sekunden zu lang nachgedacht. Fünf Sekunden noch mal angeschaut, dabei mir eigentlich nur ins Gesicht geschaut. Anschließend für eine Fünftel Sekunde den Blick über den Rest meines ich-bin-glücklich-mit-jeans-und-chucks-Outfits schweifen lassen. Nach fünf Sekunden atmen dann der Spruch.

Eigentlich sollte alles ganz entspannt werden. Und das Prinzip ziemlich einfach: Wir treffen uns mit anderen in einem Laden in Köln und feiern. Da, wo wir schon mal waren, Spaß hatten und über suboptimale Parameter hinwegsehen können, weil wir ja uns haben. Samstags.

Nun kommen wir in dieser Nacht endlich an dem Laden an und nach einer knappen halben Minute höre ich zum zweiten Mal in meinem Leben den Türsteher dieses Clubs sagen:

„Ey sorry, aber wir haben heute eine Privatparty hier drin. Entweder ihr steht auf der Liste, dann könnt ihr rein, oder ihr steht nicht drauf, dann halt nicht.“

Gut. Ich sag mal so: WENN wir auf der ominösen Gästeliste gestanden hätten, hätte er es niemals erfahren, weil er uns ja gar nicht danach gefragt hat. Nachdem er seinen Text nämlich abgespult hat, drehte er sich um und wandte sich den zwei vielleicht 17jährigen Mädels zu, die gerade hochgestolpert kamen und den ihnen entgegenkommenen ca. 19jährigen Jungs fast in die Arme fielen.

Schätzelein.. Damals, als ich noch nicht so ganz zu mir selbst gefunden habe, hast du mich reingelassen. Und damals ist jetzt auch noch nicht so lange her. Dein Kollege hat mir bei meinem letzten Besuch netterweise vorher gesagt: „Ja aber nicht, dass hinterher Klagen kommen und so, die Leute da drin sind schon was jünger heute. So 22-25 ca..“

Hmm.. Ich hab es damals mit Fassung und sarkastisch-ironischem Witz getragen, dass mir so deutlich gemacht wird, dass ich offenbar zu ALT für einen Club bin, insbesondere weil ich nicht besonders alt aussehe und weil da unten Menschen rum liefen, die garantiert noch älter waren als ich. UND WEIL ICH MIT VIERTEL VOR 30 VERDAMMT NOCHMAL NICHT ALT BIN!!

Aber um mich gehts hier ja nicht. Also doch, natürlich gehts um mich und mein gekränktes Ego. Aber es geht auch um einen Club weniger in meinem Leben, einen Laden, der mich sowohl publikumstechnisch als auch musikalisch im Grunde genommen noch nie besonders angemacht hat, aber man kann sich ja alles irgendwie schön denken. Und wenn man mit den richtigen Leuten da ist, sind die Parameter irgendwann auch egal, es wurde ja kein WDR4-Content gespielt, sondern schön gediegene Handtaschen-Housemusik. Und die ist ja auch nichts, was mich wahlweise ad hoc übergeben oder vor Angst erstarren lässt, ich hab halt nur andere Präferenzen.

Ich überlegte nach seinem Monolog ebenfalls 10 Sekunden, fragte ihn etwas (seine Antwort erschien mir aber schon im Ansatz zu trivial, als dass ich wirklich hätte zuhören wollen) gab nach seinen ersten drei Wörtern noch eine banale Pauschalität zum besten (so ganz spurlos ging es an mir dann doch nicht vorüber) und zog unverrichteter Dinge ab. Es ist ja nicht so, als ob das der einzige Laden in Köln wäre und ich MUSS jetzt auch nicht meinen Abend mit Menschen verbringen, die die Schule noch nicht beendet haben.

Wir sind am Ende dann eher zufällig irgendwo gelandet, in dem alles stimmte. Und es stimmte 100%ig, ohne dass wir was dafür tun mussten. Ob es der Club an sich oder die Party war, bleibt abzuwarten, aber der Abend hätte besser nicht sein können. Und im Grunde genommen bin ich schon fast dankbar, dass die edelpinkfarbenen nicht mit uns spielen wollten, sonst würde ich demnächst wahrscheinlich wieder dort hingehen und eine andere gute Party verpassen!

Advertisements

9 Kommentare on “Fünf Sekunden…”

  1. fraulehmann sagt:

    Boah, watt n Abend! Bei uns lief alles sehr harmonisch ab. Aber bei euch…hossa die Waldfee!

    Obwohl ich ja auch vor gar nicht all zu langer Zeit erst die Schule beendet habe (4 Jahre her), gehen mir diese halbwüchsigen Tokio-Hotel-Fans auch auf die Nerven. Sprich: es kommt keine Stimmung bei mir auf. Sie verzieht sich dann eher bei dem Anblick tanzender Hüftspeck-Pink-Girlies in den unteren Dickdarmbereich zurück.

    Aber ich freue mich, dass du trotzdem noch einen schönen Abend hattest. Vielleicht gehen wir demnächst zusammen GLEICH in die richtige Location ;-)

    Liebe Grüße aus DTM.

  2. Der Roger sagt:

    Hehe, solche Geschichten liebe ich. Was bitteschön bedeutet denn viertel vor dreißig? Noch ein Vierteljahr? Eine Viertelstunde? Oder 27,5?

  3. Jochen Hoff sagt:

    Jeliebte Vizeköniginne. So beginnt er, dieser schreckliche Prozess des Alterns. Zu Anfang wehrst du dich noch. Als Mann werden deine Begleiterinnen immer jünger und du hoffst auf die Berechnung des Durchschnittalters. Dann kommt als Rechenhilfe ein Hunni an den Türidioten.

    Aber bald reicht das auch nicht mehr. Da retten dich nur die dicken Umsätze und die „Freundschaft“ mit dem Boss. Gewinnen kannst du diesen Kampf nicht. Aber du kannst ihn umgehen.

    Stell dich lässig in die Läden in du noch reindarfst. Frag den Türidioten ob es sich lohnt, oder ob man nicht doch besser zu Hubsy geht, weil die Leute einfach mehr Drive haben. Mach sie madig, bis sie dich auf jeder Vernissarsch fragen, warum du nicht kommst. Bis jeder Türsteher dein Bild hat und mit dem Kopf auf die Knie schlägt wenn er dir die Tür aufreisst.

    Schlag sie mit ihren Waffen. Frag laut vor dem Laden die anderen ob sie wirklich in diese Teeniebude wollen. Der Türsteher wird dein Sklave.

  4. Blabbermouth sagt:

    Jaja, Ihr habt Spass beim Lesen. IHR wart ja nicht dabei und habt die volle Breitseite an Laune abgefedert… *schwitzimmernochganzschön* ;-)

  5. ja, was soll man da noch sagen… also ich bin auch zehnundzwanzig und kann dir eigentlich nur zustimmen…lass doch die kiddies spielen, wir waren auch mal jung *wirftsichwegvorlachen. ganz schön schlimm mit dem älterwerden… ich hab mich vorhin dabei erwischt, wie ich einen hausbau kalkuliert habe. schrecklich. zumindest für jemanden, der noch nicht mal weiss, ob er in D bleibt. das alter eben… armer blabbermouth ;) war bestimmt nicht leicht, das abfedern…

  6. Hört sich nach dem Diamonds Club an. Liege ich da richtig?

  7. Blabbermouth sagt:

    @markus jakobs: Lies den allerletzten Satz im Posting nochmal genau – dann weißt Du, wer der Übeltäter war! ;-)

  8. vizekoenigin sagt:

    @ fraulehmann Das ist eine super Idee, mal sehen ob wir es beim nächsten Mal schaffen!

    @ Jochen Hoff Danke. Das war jetzt auch ganz schön brutal. Besonders die Rechenhilfe gibt mir zu denken… Aber den Plan verfolge ich jetzt. Wenn ich wieder in der Großstadt bin. Hier sind sie ja froh, wenn jemand dort hin kommt, der nicht so aussieht, als ob er von hier kommt..

    @ electrogefahr Wir SIND jung!!! Hausbau ist allerdings wirklich eine Ansage..

    @ markus jakobs Siehe Kommentar von Blabber, es war nicht der Diamonds Club. Kenne ich auch gar nicht. Lücke?

    @ Blabbermouth Das hast du wirklich ganz gelassen ertragen – gut, so richtig viel Wahl hattest du ja auch nicht…

  9. vizekoenigin sagt:

    ach, ganz vergessen:

    Roger, du erwartest nicht wirklich eine Antwort darauf, oder? ;-)


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s