Rock it, Baby!

Um es direkt vorweg zu nehmen: ich mag Gitarrenmusik. Hab ich immer schon gehört. Ich mag aber auch elektronische Musik. Hab ich irgendwann mal angefangen zu hören, weil ich keine Lust mehr hatte, alleine weg zu gehen. Hat mich anfangs viel Überwindung gekostet, auch wenn ich musikalisch relativ aufgeschlossen bin, weil die Zeit meines Einstiegs von diesem Eurotrash-Müll geprägt war. Die 90er halt. Aber das ist ja nicht wirklich elektronische Tanzmusik und auch nicht das, was ich höre, wenn ich Plastikmusik höre.

Nun war ich nach wochenlangen, quälenden, elektrischen Parties auch mal einen Abend rockiger Couleur schuldig. Nachdem ich beim Fertigmachen schon sehr stolz, aber auch irgendwie verzweifelt mein Repertoire an gitarrenlastiger Musik auf meinem Rechner vorgeführt habe und einsehen musste, dass das bis auf wenige Ausnahmen „Mädchenrock“ ist, ging es dann irgendwann los. Mich vorher auf einen gesunden Alkoholpegel zu bringen, war offenbar Taktik, mein Unterhaltungswert steigt dann, ich bin aber nicht aggressiv oder so. 

Es hatte ein bisschen was von Kulturschock, als wir in den Schuppen gekommen sind. Also gar nicht negativ, es war einfach komplett anders. Der Laden war anders, der Geruch war anders, die Musik war anders, die Leute waren anders, die Art und Weise zu tanzen war anders, die Drinks waren anders – nur war irgendwie alles noch genau so wie damals, vor gefühlten 20 Jahren, als ich das letzte Mal in so einem Laden gewesen bin. Um genau zu sein hatte ich mal kurzzeitig das Gefühl, ich sei auf meiner eigenen Abiparty. Oder noch ein paar Jahre früher in einer Teestube, wie man das damals nannte. Die Musik lief damals übrigens auch schon. Also zumindest ein Teil der Musik, die ich an dem Abend gehört habe. Ich habe lange nicht mehr so viele Menschen auf so wenig Platz so viel Bier trinken sehen und bin noch viel länger nicht mehr in eine Gruppe Männer geraten, deren feinmotorischer Verstand bei Rage against the Machine komplett aussetzt. Aber dafür gibt´s ja einen Rand, etwas abseits der Tanzfläche, wo ich mich dann hingerettet habe. Mit dem Glas eines Mitfeiernden, der es mir schnell in die Hand gedrückt hat um sich weiter durch die Gegend zu pölen. Direkt daneben war wohl die Tür zur Toilette und nach 30 Minuten von-dort-beobachten war mein Parfum weg und der Geruch von Klostein da. Aber das kann ja überall passieren.

Ein anderer Mitfeierer hat mir anfangs gesagt, dass ich einfach nur da stehen und mit dem Kopf nicken soll, fällt gar nicht auf. Gut, gemessen an den anderen Mädels muss es wohl aufgefallen sein, weil die nämlich ihre Köpfe geschüttelt haben. Überhaupt waren die Frauen da so ganz anders als dort, wo ich mich meistens aufhalte – die brauchen auch nicht ganz so lange, um ausgehfertig zu werden. Finde ich eigentlich sehr cool, weil sie doch deutlich entspannter waren. Nicht so cool finde ich lange Männerhaare, die mir zum Sound von Metallica ins Gesicht peitschen, aber da muss man halt Abstriche machen. Mache ich in Läden mit elektronischer Musik auch oft. Sehr oft. Entspannt war ich aber auch, spätestens nachdem die nette Dame an der Bar mir beim zweiten Mal ohne weitere Erklärung einen Wodka Sour gemischt hat. Irgendwie lustig, dass es dort Whiskey Sour gibt und man einen Wodka Sour erst erklären muss und ihn anschließend mit den Worten: „ich übernehme aber keine Garantie für den Geschmack“ hingestellt bekommt. Ich glaube ich war auch die einzige, die mit einem Cocktail rumgelaufen ist, da war ja Bier state of the art. Sich zu entschuldigen, wenn man jemandem versehentlich auf die Füße gelaufen ist, ist auch eher unnötig, hört ja keiner und interessiert auch niemanden. 

Spätestens bei New Model Army´s Vagabonds (meine Güte, war ich da klein) und dem dritten Sour war mir aber auch alles egal, wir haben alle um uns herum in Grund und Boden gerockt und auch vorher fand ich es alles in allem auch lustig und nicht schlecht. Nur eben anders. 

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5 Kommentare on “Rock it, Baby!”

  1. FrauLehmann sagt:

    Das hört sich gut an. Bekomme immer mehr Lust mit dir mal zusammen feiern zu gehen. Mache jetzt mal Nägel mit Köpfen und sage: bald. :-|

    Wodka Sour und Weißer Russe mit Vizekoenigin vernichten will. :-|

  2. vizekoenigin sagt:

    War das jetzt ironisch gemeint? Kann die semiglücklichen smileys nicht deuten..

    Und vernichten klingt super! :-)

  3. FrauLehmann sagt:

    Bezogen auf ‚bald‘ werde ich ein wenig sentimental. Hört sich so laaange an. Und ‚vernichten‘ sollte doch eigentlich gleich jetzt in diesem Moment stattfinden oder? ;-) = positives Zuzwinkern

  4. […] 30, 2008 · Keine Kommentare Auch wenn einer meiner letzten Posts eher danach klang, dass ich eine hüpfende Technotante sein könnte: ich weiß ja, dass es nicht […]


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