Der Gefährte

Vor drei Wochen gab es im Vizeköniginnenreich etwas wirklich ganz neues: ein Fahrrad. Tanken ist echt anstrengend geworden, Weg zur Arbeit ist flach und nur 5 KM lang, persönliche Fitness auf Rekordtiefniveau und zurück zum Tanken: 3x voll kostet in etwa so viel wie ein Fahrrad. Und dann gibt es ja noch mannigfaltige ideologische Gründe dafür: Umweltschutz und so (bleibt ja dufte); Beine, denen ich ansehe, dass sie seit 10 Jahren keinen Leistungssport mehr machen und die Tatsache, dass ich hier im Mountainbikeparadies wohne – fürs Fahren auf der Straße gibts außerdem überall Fahrradwege. Also musste ein Fahrrad her. Der Entscheidungsprozess (Mountain- oder Crossbike, Trekking- oder Fitnessbike), hat wie erwartet unglaublich lang gedauert.

Am Ende war alles aber doch ganz pragmatisch: ich bin schlicht und ergreifend zu groß für Damen-Mountainbikes, wollte aber ein Damenrad haben, damit ich unter Umständen auch mal mit Rock fahren kann – ohne beim Aufsteigen die morgendliche Entscheidung über die Auswahl meiner Unterwäsche mit der ganzen Welt zu teilen. Die Tatsache, dass ich meinen Hund an der Leine neben mir her laufen lasse, hat mich zusätzlich davon abgehalten, ein Mountain- oder Crossbike zu nehmen, weil ich dann auch gerne einigermaßen gerade sitzen möchte. Find ich für Frauen, die nicht durchs Gelände heizen, sowieso schöner. Fitnessbike klingt mir schon viel zu ambitioniert und geländeunfähig (man weiß ja nie), also blieb ein Trekkingbike. Hab ich dann gekauft, von einem Hersteller, der namentlich perfekt zur Vizekönigin passt, schwarz-hochglänzend. Gut, eigentlich waren weiß-hochglanz oder schwarz-matt die Favoriten, aber man kann ja nicht alles haben.

Nun fahre ich seit drei Wochen fast täglich zwischen 13 und 26 KM am Tag – jeweils fünf zur und von der Arbeit, in der Mittagspause (wenn es der Tag zulässt) auch noch mal nach Hause und ein oder zwei Mal eine 3-KM-Runde mit meinem Hund. Das Bedürfnis, morgens um 9:30 bei Ankunft im Büro eine Dusche nehmen zu wollen, hat sich mittlerweile gelegt und seit ich mich (erst heimlich nachts) eingependelt habe, kann ich sogar wieder mit einer Hand fahren. Das letzte Mal bin ich nämlich vor 14 Jahren Fahrrad gefahren. Daher auch mein Entsetzen über die Preise – sowohl der Fahrräder, als auch des Equipments.

Mittlerweile würde ich sagen, ich mag es. Voll. Macht Spaß, mich fitter und aufmerksamer. Logisch, wenn man dauernd Angst haben muss, überfahren zu werden, wenn man eine Straße entlang fährt und aus kleineren Seitenstraßen Autos herausgeschossen kommen. Macht mich als Autofahrer nebenbei bemerkt auch sensibler für Radfahrer, die ich vorher gehasst habe wie die Pest. Alles in allem muss ich aber sagen, dass das mit der frischen Luft, an der man sich vermehrt aufhält, überbewertet wird. Könnte natürlich auch daran liegen, dass der Weg, den ich mir bis Ende letzter Woche ausgesucht habe, der ist, den offenbar ALLE LKWs nutzen. Seit dieser Woche fahre ich durch die „Innenstadt“ – weniger LKWs, dafür alles voller Kopfsteinpflaster. Nervig, weil ich durch das Geratter meines Kopfes die Musik aus meinem iPod nicht mehr höre, aber gut. Mein Hund findet es nicht ganz so toll, glaube ich. Ich kann ja jetzt länger und schneller als mit Skates.

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3 Kommentare on “Der Gefährte”

  1. Blabbermouth sagt:

    Naja – andere Frauen zahlen viel Geld dafür, um sich irgendwo 15 Minuten am Tag von so komischen Maschinen durchrütteln zu lassen. Du hast Kopfsteinpflaster – da sparst Du doch ne Menge Geld UND bewegst Dich noch dabei ;-) *gnihihi*

  2. […] der soll einfach mal auf die Internetseite von yakkay gehen. Besonders ans Herz lege ich das Frau Vizekönigin, denn sie strampelt sich jeden Tag viele Kilometer mit ihrem neuen Rad ab. Davor habe ich übrigens […]


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