Allein unter Rockern

Gestern wurden mein Gehör und meine Standfestigkeit auf eine harte Probe gestellt: Volbeat in Strasbourg. Also ein Konzert. Und nicht mit elektronischer Musik, sondern wie Wikipedia schon sagt: Heavy Metal/Rockabilly. Nachdem ich den Liebsten offenbar lang genug mit elektronischer Musik („Epilepsie-Soundtracks“) gequält habe und eine seiner Lieblingsbands ihre Fans nicht nur in der Big Bad City Köln, sondern auch im beschaulichen Strasbourg beglücken wollte, sind wir natürlich hingegangen. Nicht ohne den Herrn Chef-Konzeptioner aus unserem Haus, der in erster Linie Punkrock hört.

Man muss sich das mal kurz vorstellen: ich, Vizekönigin auf einem Volbeat-Konzert. Nun sollte ich vielleicht dazu sagen (für die, die mich nicht so gut kennen), dass mein Musikgeschmack ETWAS anders aussieht. Und nein, nur weil ich elektronische Musik favorisiere, heißt das nicht, dass ich mit rockiger Musik nichts anfangen kann, ganz sicher nicht. Um genau zu sein habe ich früher auch nichts anderes gehört, bis ich irgendwann feststellen musste, dass alleine feiern irgendwie nicht so spaßig ist und dass es auch Plastikmusik jenseits von diesem gruseligen Euro-Trash gibt, die ich bis dato allerdings nicht kannte.

Mein allererstes Konzert überhaupt war die „use your illusions“-Tour von Guns n´Roses, mein zweites wäre Metallica gewesen, wenn mein Vater mich nicht unter Androhung schlimmster Strafen dazu gezwungen hätte, meine zwei Tickets an den damaligen Freund meiner älteren Schwester zu verkaufen – war ja Mittwoch Abend und ich musste Donnerstag Morgen in die Schule. Der temporäre Hörsturz der beiden am nächsten Tag hat meinem Vater schließlich noch ein Argument gegen viele weitere Rock-Konzerte in den Jahren danach geliefert. Bis heute habe ich viele Bands live gesehen (in erster Linie und auch in jüngster Vergangenheit gitarrenlastige) und nur, weil ich z.B. Underworld gerne live sehe, heißt es nicht zwangläufig, dass ich deswegen nicht auch zu Rock am Ring fahren würde.

Das Konzert gestern war allerdings anders. Es fing schon mal damit an, dass der Laden unglaublich klein war – find ich super. Allerdings dachte ich schon bei Fort Minor in den Hamburger Docks, dass eben diese Docks klein waren – sie sind vergleichsweise riesig. Wir haben fast direkt vor der Bühne und gleichzeitig relativ weit hinten gestanden. Das Publikum – weiß nicht, ob ich jetzt was dazu sagen soll, weil es vielleicht sehr pauschalisiert klingen könnte. Ich versuchs mal so: es war alles da, wenig Frauen, diese jedoch aufgeteilt in die von mir frei definierten und bewerteten Gruppen „MTC-Cologne-Gängerinnen“ und „Lackträgerinnen“. Wobei das eine das andere ja nicht ausschließt.. Und zumindest die Lackträgerinnen können ja auch durchaus nett anzusehen sein. Männer gab es wiederum sehr viele, ganz normale, ganz langhaarige mit Black Sabbath-T-Shirts, ganz glatzköpfige mit Anchor-Piercings im Nacken und ganz Rockabillige. Ähm – klingt doof, ich mein jetzt nicht billig, aber das Wort Rockabilly gibt auch keine Variation her.. Und alle hatten eines gemeinsam: Bier. Unmengen von Bier. Ich glaube sogar fast, dass ich die Einzige war, die an dem gesamten Abend kein Bier getrunken hat, ich mags einfach nicht. Viele andere Menschen schon, nur wussten sie offenbar schon bei den beiden ersten Bands ab und zu nicht so ganz, wohin damit, also landete das ganze Zeug auf dem Boden.

Irgendwann war es dann mal endlich so weit und die Herren haben losgelegt. Und mit ihnen die ganzen Menschen um mich herum, die angefangen haben, sich wie irre durch die Gegend zu pölen. Ich wollte zumindest aus dem Auge dieses Menschenhurricanes um mich herum raus, konnte aber nicht, weil meine Schuhe am Boden festklebten. So konnte ich aber wenigstens unseren Herrn Konzeptioner von links nach rechts fliegen sehen. Menschen bei dieser Art der Bewegung zu beobachten, hat irgendwie auch was: der eine hüpfte gedankenversunken auf einem eingeknickten Bein und hatte den Kopf seitlich auf die eigene Schulter gelegt; der nächste stand einfach nur mittendrin und schleuderte seinen Kopf und seine langen Haare wie ein Windrad; die Frauen hüpften und schrien und kifften; einige Männer sahen aus, als ob sie endlich mal wieder jemandem mit bösartig-konzentriertem Gesichtsausdruck richtig eins aufs Maul geben konnten, ohne dass es jemand persönlich nehmen könnte; viele Kopfnicker und viele Luftgitarrenspieler.

Volbeat an sich bedeutet LAUT – viel Gitarre, viel Bass und vor allem viel Stimme. Wirklich unglaublich guter Stimme mit viel Elvis drin. Der Sänger, der trotz Unterhemd am Oberkörper aufgrund der vielen Farbe erstaunlich angezogen aussah, hatte sehr gute Entertainer-Qualitäten, war echt lustig, hat sich viel mit dem Publikum unterhalten und ganz brüderlich seine Jack Daniels-Flasche mit irgendwelchen Menschen geteilt. So viel, wie er allerdings getrunken hat – ich frag mich ja schon, wie er überhaupt noch stehen konnte. Aber ist ja sicherlich gut im Training. Neben seinem Bourbon hat er noch 10 Euro an eine Frau verschenkt, die auf den Hinweis, sie soll ein Volbeat-Shirt tragen, mit „kein Geld“ geanwortet hat. Und nach der Show wollten sie noch rauskommen und (natürlich!) Bier mit dem Publikum trinken und ein bisschen quatschen. Fand ich lässig, haben wir aber nichts mehr von mitbekommen.

Nun ja, mir war die Musik jetzt dank des Liebsten nicht ganz unbekannt und ich finde sie nicht schlecht, von daher war es ein cooler Abend, wenn auch etwas anders als meine sonstigen. Das taube Gefühl auf bzw. in meinen Ohren hat mich kurz vor Offenburg wieder verlassen, bis dahin war unsere Unterhaltung im Auto doch recht laut. Und falls irgendwer nicht weiß, wie es sich angehört hat: hier, bitteschön.

So und das war jetzt echt harmlos.. Das hier war das Highlight des Abends, an dem ich dann wirklich flüchten musste, um nicht auseinandergenommen zu werden:

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10 Kommentare on “Allein unter Rockern”

  1. bemme51 sagt:

    concert-content!!!!! feinfeinfein

    klingt nach nem gelungenen abend. juhu. schön. und die mucke – grrrrr – gefällt sehr. *knicks* (für die gerade entstandene neugier)

    …zum runterkommen darfs ja dann wieder etwas chilliger werden….

  2. westernworld sagt:

    wie wär’s mit rockabillyesk, rockabillyistisch, rockabillybiel oder rockabillylär?

  3. vizekönigin sagt:

    @bemme51 ja, es MUSS chilliger werden. aber grundsätzlich hat das schon ein paar spuren hinterlassen, habe heute den ganzen tag nichts anderes gehört..

    @westernworld mir gefällt rockabillyesk gut, vielleicht machen wir das noch hübscher und schreiben rockabillyesque? passt auch besser zu strasbourg.. ;-)

  4. Blabbermouth sagt:

    Du hast Dich wirklich tapfer gehalten, und man konnte Dir auch bis zuletzt nicht anesehen, dass Du eigentlich ein Alien warst an dem Abend ;-)

  5. wie wärs mit rockabillig?! *gehtindeckung :) nein, ich bin ja auch ein verkappter rockabilly-lover. lass uns dochmal zusammen zu so einem konzert, oder besser gleich zu einem internationalen festival!? hätt ich bock drauf. oder auf ein system of a down-konzert… oO BAAAAAAAAAMMM

  6. vizekönigin sagt:

    @electrogefahr, das steht doch da!

    und ganz Rockabillige. Ähm – klingt doof, ich mein jetzt nicht billig, aber das Wort Rockabilly gibt auch keine Variation her..

    wir haben nur versucht, etwas zu finden, was nicht so doof klingt.. :-)

    @blabbermouth ich glaube NICHT, dass ICH das alien war, das war der mann mit den vielen piercings im nacken! :-D

  7. Manuel sagt:

    Huhu, Schwägerin!
    Ware die Tage mit Timmey in Hannover bei http://www.myspace.com/neaera
    DAS hätte dir dann mal so garnicht gefallen! War aber rieeesig geil :o)

  8. vizekönigin sagt:

    Danke, jetzt bin ich taub. Und das am Montagmorgen… ;-)

    Der Sänger hat Schmerzen und muss eingeschläfert werden, glaube ich. So wie der schreit…

  9. Blabbermouth sagt:

    Hehe… ich muss aber gestehen, meine Nummer ist das auch nicht – ich finde es immer schade, wenn gute Gitarren-Riffs von diesem Geschrei unterbrochen wird…

    Allerdings muss man dazu sagen, dass man oft überrascht ist, wenn man die Sänger mal wirklich singen hört – die können das nämlich meistens echt gut, aber es gehört eben nicht in diese Schiene rein.

    Ich bleib bei meiner Musik :-)


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