Suchtverhalten

Gestern abend stand ich nach der letzten Hunderunde wieder hustend im Flur, der Liebste sah mich besorgt an und schüttelte wie so oft in letzter Zeit den Kopf. „Also das mit deiner Husterei und den Zigaretten – ach, musst du wissen.“

Stimmt, muss ich. Heute morgen bin ich ins Büro gefahren, habe mir eine Zigarette geraucht und bin im Auto fast erstickt, habe aber TROTZDEM diese Scheiß-Kippe noch zuende geraucht. Bevor sie aus meinem Fenster geflogen ist, hab ich sie angesehen und mir gedacht, dass ich mich wie ein Junkie aufführe: vor zwei Wochen bin ich zu Hause geblieben und nicht arbeiten gegangen, hab gehustet wie ein Mensch mit Extrembronchitis und TROTZDEM nicht auf meine Kippen verzichtet. Und heute – zwei Wochen später – huste ich immernoch wie verrückt, obwohl so ein grippaler Infekt in der Regel nach ein paar Tagen wieder verschwunden ist. Interessanterweise habe ich heute auch in ziemlich erschrockene Gesichter geguckt und zwei Mal „oh, das klingt aber GAAAR nicht gut..“ gehört als ich mal wieder kurz vorm Erstickungstod war – an meinem Schreibtisch. Das war vor zwei Wochen, als es mir so schlecht ging, dass ich nicht arbeiten konnte, nicht der Fall.

Mit der Zigarette heute morgen flog plötzlich alles an künstlich aufgebauten Pro-Nikotin-Argumenten aus dem Fenster, ich hab mich genauso gefühlt wie vor einem Jahr, als ich diesen „Endlich Nichtraucher!“-Kurs gemacht habe – und nach zwei Monaten „nur mal ziehen“ wollte. Natürlich bin ich wieder vollkommen in mein altes Raster gefallen und rauche unglaublich viel, lediglich die Marke hat sich geändert – weil ich mir eingebildet habe, dass Gauloises Menthol irgendwie besser für die Lunge sein könnten als Nil weiß. Mir wurde heute morgen mit dem Blick auf meine letzte Zigarette in dieser Schachtel klar, wie bescheuert ich mich selber hingehalten und wie genial selbstverständlich ich mich selbst und meine Familie angelogen habe.
„Wie siehts denn aus, du rauchst doch nicht mehr, oder?“
„Nein, ich rauche schon noch, aber total wenig – wenn es hoch kommt, komme ich auf 3 Zigaretten am Tag“.

Klar.

Die letzte Kippe aus meiner Schachtel habe ich anschließend mit dem gleichen Kollegen geraucht bzw. zelebriert, mit dem ich letztes Jahr auch die letzte geraucht bzw. zelebriert habe. Und seitdem keine mehr heute. Da ich die Gehirnwäsche vom letzten Mal nicht vergessen, sondern nur verdrängt habe, kann ich alles wieder abrufen und das tue ich heute schon den ganzen Tag. Heute fühlt es sich noch etwas komisch an, wie etwas Fieber. Logischerweise, ich bin auf Entzug. Ich kann auch noch nicht mit meinem Kollegen runter gehen und ihm beim Rauchen Gesellschaft leisten. Aber in ein paar Tagen ist das Gröbste überstanden und dieses Mal bleibe ich dabei.

Vielleicht bestelle ich mir gleich das neue MacBook – bei meinem Zigarettenkonsum komme ich auf knapp 100 € im Monat, das Arbeitnehmerangebot meines Arbeitgebers für das Teil inkl. wichtigem Must Have-Zubehör liegt bei knapp 80 €. Und das auch nicht für die nächsten zig Jahre, sondern für einen überschaubaren Zeitrahmen. Ja, das find ich gut – stinkt auch nicht so. Und mir hat nie jemand gesagt, ich soll nicht so viel am Rechner sitzen, mit der Raucherei verhält sich das bei einer Lungenembolie-, Lungenemphysem- und Lungenkrebs-vorbelasteten Familie etwas anders.

Eigentlich kann ich es kaum glauben, aber mein Suchtverhalten hat sich heute tatsächlich in Rauch aufgelöst..


photocredit: Vitorio Benedetti / cc

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6 Kommentare on “Suchtverhalten”

  1. Blabbermouth sagt:

    Eben. Und da wir bisher alles als Team gemeistert haben, werden wir auch DAS schaffen – versprochen!

  2. bemme51 sagt:

    rauch ab jetzt bitte nur passiv. einfach mal wieder feiern gehen.

    chakka. schaffste.

  3. westernworld sagt:

    viel glück, damit, bin gespannt …

    sobald man mir ein alkoholisches getränk in die hand drückt quarz ich ja auch wie garzweiler II, aber erkältungsraucher sind dann wohl eine andere suchtklasse …

    das mit dem nicht rauchen klappt bei mir super solange ich nicht ausgehe äh ja seit clubs rauchfrei sind geh ich auch weniger aus fällt mir auf …

    neues macbook soso, dafür hasse ich dich jetzt offiziell ; ) … btw das pro wird dich glücklicher machen backup per usb-hdd macht nicht wirklich gute laune … und esata per expresscard ist was feines.

  4. vizekönigin sagt:

    @blabbermouth genau – auch wenn du mir sehr labil erscheinst.. aber wir kriegen das hin!!

    @bemme51 noch nicht mal mehr passiv, der herr hat sich ja meiner erbarmt und gleich mit aufgehört. und ich bin echt guter dinge! :)

    @westernworld ich wusste noch nicht mal, dass es die klassifizierung „erkältungsraucher“ gibt.. :-( ein mbp hab ich, ist allerdings mein arbeitswerkzeug und das „alte“. ich hätte ganz gerne mal eins, wofür ich nicht immer einen koffer mitschleppen muss, oder was dafür sorgt, dass meine schulter von so einem roten handtaschenhenkel-abdruck dauerverziert ist.. und ich möchte meine ganzen privaten sachen auch eigentlich nicht unbedingt auf der firmenkiste haben. da sollte ein macbook ausreichen.. reduziert das den hass etwas? ;-)

  5. f1owb3nach sagt:

    Wünsche dir viel Erfolg und das nötige Durchhaltevermögen. Dann hab ich noch den ganzen Abend überlegt und beschlossen, dass heute ein guter Tag zum Aufhören ist und gerade selbst wiedermal aufgehört.

  6. vizekönigin sagt:

    Das wünsche ich dir auch! Ja, der Tag gestern war super und offenbar klappt es (zumindest bei mir) gut, wenn man es nicht plant, sondern einfach macht.


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