Setzen, sechs! Danke, Ebay.

Hat sich irgendwer in der letzten Zeit mal mit ebay beschäftigt? Also als Verkäufer meine ich? Ich habe es eine ganze Zeit lang nicht. Vor kurzem dann doch wieder, alles war komisch und anders, aber da habe ich meinen Kleiderschrank um geschätzte 15 Kilo größtenteils noch nie getragener Klamotten erleichtert. Und ich sags mal so: Frauen, die anderen Frauen Klamotten abkaufen und diese unbedingt haben wollen, benehmen sich. Sie zahlen ruck-zuck, wollen das Objekt der Begierde schnellstmöglich haben. Sie fangen zwar auch recht schnell an, rumzunörgeln, wenn 24 Stunden nach Zahlungseingang (ca. 2-5 Tage nach Auktionsende) der Paketdienst „immernoch kein Paket“ vorbei gebracht hat, aber das hat man schnell wieder im Griff.

Soweit, so gut – für komische Mitglieder kann ebay ja auch nichts. Nun habe ich aber mein Bett verkauft, ein extrem teures Ding für wenige Euro rausgehauen, was an sich schon ein persönliches Drama ist, und diese ganze Nummer entpuppt sich zu einem verkäuferunfreundlichen Usabilityschock, der sich gewaschen hat.

Das Auktionsende habe ich mit meinem Handy verfolgt, dafür gibt es ja die Mobile-Version, die WAP-Ausgabe von ebay habe ich nach einem kurzen Check direkt für mich ad acta gelegt. Und bei der mobilen Version geht es schon mal los: ich kann im Prinzip nichts sehen, was ich als Verkäufer gerne sehen würde. Der Name wird mir zwar – im Gegensatz zur normalen Ebay-Version – angezeigt, ich kann aber nichts anklicken und mir nicht ansehen, was für ein Mensch da gerade mein Hab und Gut kauft. Auf die grundsätzliche Usability gehe ich jetzt gar nicht erst ein, das würde ECHT zu lange dauern. Nachdem ich wieder zu Hause angekommen bin, konnte ich es dann sehen: zig negative Bewertungen, insgesamt ein Positiv-Prozentsatz von 95% in den letzten 12 Monaten. Gut, KANN passieren. Nebenbei bemerkt kann man als Verkäufer den Namen des Käufers auch nicht mehr richtig erkennen, sehr schön, wenn man dann nach Ablauf der Auktion sieht, dass irgendjemand etwas gekauft hat, den man irgendwann vielleicht schon mal aus gutem Grund gekickt hat.

Der Käufer hat aber schnell reagiert, nach meiner Adresse gefragt, er wolle gerne dieses Wochenende vorbeikommen um das Bett abzuholen. Darum hatte ich in der Auktion auch gebeten. Dass der Verkäufer dafür allerdings auch mal eben knapp 800 KM zurücklegen muss, fand ich merkwürdig, aber da es hier eine Menge Pendler gibt und es mir auch eigentlich egal sein kann, hab ich nicht weiter darüber nachgedacht. Ich schicke also Adresse und Handynummer in den Norden, frage nach, wann er denn wohl kommen will und warte. Bis Donnerstag.

Donnerstag habe ich noch einmal eine Mail hingeschickt, Freitag eine Message übers ebay-System – wäre ja ganz gut zu wissen, wie ich mein Wochenende planen darf. Das Bett bzw. dessen recht große Einzelteile finden sich übrigens zum Leidwesen unserer Nachbarn seit Montag im Treppenhaus wieder und macht das Putzen vor unserer Tür ungefähr genauso unmöglich wie das Hinausgehen ohne mitteldunkelblaue Blessuren an den Schienbeinen. Und nun sitze ich hier, das Bett ist immer noch da und ich kann im Grunde genommen nichts machen. Klar, ich kann eine Beschwerde bei ebay einreichen, dann muss ich warten, bis der Käufer sich meldet, wenn er sich meldet. Die Kommunikationshistorie lässt da allerdings auf nichts gutes schließen. Wird er verwarnt, bekomme ich immerhin die Gebühren erstattet, jungejunge.. Das bedeutet allerdings auch, dass er sich ab der Beschwerde innerhalb des festgelegten Zeitraumes nicht auf die Info von ebay meldet.

„Lässt der Käufer diese Frist verstreichen, können Sie vom Vertrag zurücktreten. Den Rücktritt sollten Sie ebenfalls klar und deutlich erklären und z.B. per Einschreiben mit Rückschein an den Käufer schicken.“

Das kann sich dann so lange hinziehen, bis ebay das ganze Trara einfach abhakt und ich noch nicht einmal die Gebühren zurück bekomme – auch schon mal gehabt. Seit ein paar Monaten kann man als Verkäufer keine negativen Bewertungen abgeben, somit muss der Käufer „keine ungerechtfertigten Rachebewertungen fürchten“. Toll.

Das heißt also im Klartext, dass ich im dümmsten Fall auf meinem Bett sitzen bleibe, es wieder einstellen muss und der Käufer von ebay verwarnt wird, jedoch keine negative Bewertung von mir bekommen kann. Käuferschutz nennt man sowas. Verkäuferschutz gibts nicht, weder für mich, noch für andere, die diesem Käufer zukünftig was verkaufen könnten – die werden ja nie erfahren, dass soetwas passiert ist. Ich wiederrum muss aber damit rechnen, von dem Käufer eine Negativbewertung zu bekommen, wenn ich den ganzen Verwarnprozess lostrete. Schick, wirklich. Da hat sich mal jemand so richtig Gedanken gemacht!!

Ehrlich, ich weiß nicht, wer sich diesen Scheiß ausgedacht hat, aber wenn DAS nutzerfreundlich ist, muss sich ebay über das schlechte Image eigentlich kaum noch wundern.

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7 Kommentare on “Setzen, sechs! Danke, Ebay.”

  1. Der Roger sagt:

    Ach du Schande. Übel das. Ich würde mich auch gehörigst aufregen. Und zum Glück hast du diesen Artikel erst jetzt geschrieben, sonst hätte ich vielleicht Angst bekommen. Am Freitag erst habe ich mein riesiges knallrotes Sofa verkauft, für 100 Euro mehr, als ich erwartet hätte und der Verkäufer kam am nächsten Tag und war so begeistert, dass er den Betrag sogar aufgerundet hat. Aber das ist dir vermutlich nur ein schwacher Trost.

  2. kehrseite sagt:

    naja, ebay ist schon lange nichts mehr für mich.
    habe vorgestern noch von jemandem gehört der seinen roller verkauft hatte.
    nunja, der käufer hat einfach die versicherung nicht umgemeldet… da kann man als verkäufer nix machen.

  3. Jakob sagt:

    Das tut mir leid, liebe Vizekönigin!

    Ich habe auch seit Ewigkeiten nichts mehr bei eBay gekauft oder verkauft. Wenn ich es wieder tun sollte, müsste ich bestimmt nochmal die kompletten AGB lesen, damit ich die ganzen Änderungen mitschneide… ;)

  4. vizekönigin sagt:

    @Roger Das ist mir in der Tat nur ein schwacher Trost, aber ich freu mich für dich. :-) Naja, ich kann es ja jetzt nochmal einstellen..

    @kehrseite Superhorror, unfassbar!

    @Jakob Das Problem ist, dass du dann wahrscheinlich nichts mehr einstellen möchtest! ;-)

  5. Hab auch mal ein ähnliches Desaster erlebt, mit meinem Sofa. Das wollte die glückliche Ersteigerin einfach nicht abholen, weil es ihr zu weit war, blablabla. Ging für 3,5€ über den Tisch. Ich probier es demnächst aber nochmal mit meinem Schreibtisch bei Ebay. Bin einfach zu faul, ihn selbst raus zu tragen.

  6. vizekönigin sagt:

    Ich hab das Bett nochmal versteigert, nachdem der erste es erstmal 4 Wochen bei mir stehen lassen wollte – war ja arbeitstechnisch nicht anders machbar. Dafür hab ich jetzt doppelt so viel bekommen wie vorher, auch gut. Viel Glück!

  7. […] Laune, wenn man als Verkäufer agiert. Über das sensationelle Bewertungskonzept hab ich ja schon mal geschrieben, man kommt aber aufgrund immer neuer Höhepunkte nicht dazu, sich nicht wahlweise […]


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