Schlechter Scherz

Es mag Menschen geben, die Rechnungen, Mahnungen und schriftlichen Androhungen körperlicher und vor allem finanzieller Gewalt ziemlich gelassen entgegen sehen, wenn sie ihren Briefkasten aufmachen. Man holt die Dinger einfach raus, legt sie mit dem Adressfeld nach unten auf den Tisch und stapelt das Zeug so lange man will – da man nichts sieht, ist es auch irgendwie nicht da.

Ich bin da ein bisschen anders. Und ich weiß, dass es teuer wird, wenn ein Brief in einem gelben Briefumschlag mit Stempel, Postboten-Unterschrift, Uhrzeit, Datum und allem PiPaPo meinen Briefkasten von innen sieht. Sprich ich kann mich darauf gefasst machen, ziemlich unsanft an ein Ticket erinnert zu werden, welches ich nicht bezahlt habe und dessen Betrag sich nun auf wundersame Weise vervielfacht hat.

Schön ist aber auch, wenn eine besonders gewitzte Lottogesellschaft auf die pfiffige Idee kommt, Werbung für sich selbst, verpackt in einem offiziellen Outfit, zu verschicken. Sieht dann so aus:

13112008552

13112008553

Gut, der Absender oben links ist ziemlich eindeutig, ich hab ihn sofort gesehen und hab meinen Puls daher erst gar nicht hochkommen lassen. Der Inhalt hat mich demzufolge auch kalt gelassen.

Nun stelle ich mir aber mal vor, jemand mit eindeutiger finanzieller Vergangenheit (Mahn- und Vollstreckungsbescheide kommen auch in gelben Umschlägen) zieht sowas aus seinem Briefkasten, wird hektisch, achtet nicht auf den Absender, reißt den Brief auf und zieht sowas da raus:

171120085581

(mein Scanner funzt nicht, deswegen musste ich es fotografieren und deswegen fehlt ein Blatt)

Ich meine, nicht dass das von außen schon nur grenzwertig lustig ist, man hätte ja eventuell einfach was lustiges buntes reintun können – nur für den oben genannten Fall zum Beispiel. So kriegt man aber einen Kurzbrief, eine Einladung zu einem Termin, deren hervorstechendes Über-Wort im ersten Satz „Ermittlungsverfahren“ ist und zusätzlich noch ein Zettel mit Hinweisen und einer abschneidbaren Verdienstausfallbescheinigung, alles auf recyceltem Papier, mit Courier-Font, fehlender Unterschrift (da „automationsunterstützt erstellt“) und dieser „Ihr Zeichen“,- „Unser Zeichen“,- „Unsere Tel.“ und „Datum“-Zeile.

Vielleicht stelle ich mich auch etwas an, das Logo vom Hamburger Gewinnkontor ist ja auch kaum zu übersehen. Ich bin auch – je länger ich mich damit beschäftige – hin-und hergerissen, es nicht doch irgendwie lustig zu finden. Aber in erster Linie finde ich es geschmacklos.

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2 Kommentare on “Schlechter Scherz”

  1. Nadinechen sagt:

    du kannst ganz schnell erkennen wenn es Werbung ist! Schau dir mal die „Briefmarke“ an. Das nennt sich Infopost bzw. Infobrief und ist ein Billigversand. Wenn ich das schon sehe, landet dieser Brief ungeöffnet in den Briefkasten!!

    Rechnungen oder sonstige persönliche Anschreiben werden nicht so versandt.

  2. vizekönigin sagt:

    Ja wie gesagt, ich habs ja auch am nicht so ganz unauffälligen Absender gesehen.. Dieses „was wäre wenn“ war schon auf andere Menschen bezogen.. :-)


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