München lächelt in der Grinsekatze

Da es uns am Wochenende nach München gespült hat, dachten wir uns, dass es ganz nett wäre, auch mal in der Grinsekatze (Mein Restaurant und so) vorbei zu schauen. Parteiisch ist man bei so einer Show ja sowieso immer, aber generell halten wir eine Menge davon, nur dann zu urteilen, wenn man es auch kann.

Nachdem die Reservierung unseres Tisches schon ein wenig etwas von Stress hatte (Mail geschickt, Auto-Antwort bekommen, 2 Tage lang angerufen, 2 Tage lang keinen erreicht, dann doch, Tisch reserviert, plötzlich eine Email zurück mit Hinweis, dass vor übernächster Woche reservierungstechnisch gar nichts läuft, Mail zurück mit dem Hinweis, das wir schon reserviert haben, finale Abschlussmail), sind wir am Samstag angekommen und haben uns dort niedergelassen.

Mein erster Eindruck hatte sich dann auch direkt bestätigt: was das Ambiente betrifft, ist es sicherlich sehr nett und – je nach Geschmack – auch schön fröhlich bunt und hell, aber die Tischanordnung hat schon leichten Kantinen- bzw. Bistrocharakter. Wobei das gar nicht so negativ klingen soll, es ist halt nur nicht mein Ding. Viele Tische, eng aneinander gestellt und das im Prinzip nur an den Außenwänden des Ladens.

Der Hauptgang wurde erst dem Liebsten von Chefin Anna selbst hingestellt, nicht ohne den Hinweis, dass in der Grinsekatze zuerst die Männer bedient werden. ;-) Sehr coole Art und Weise, die Kritik von Jürgen Schiller ins richtige Leben umzusetzen – sie wird einfach ignoriert und der Fehler wird mit ein, zwei Worten zu einem Markenzeichen der Grinsekatze gemacht. Fanden wir schon beim sturen Weiterangebot des Tomate-Traube-Salates mit Zwiebel als Dessert nach dem Beinahe-Totalausfall von Tim Mälzer ziemlich lässig.

Am Essen haben sich unsere Geister etwas geschieden: ich hatte Dorade mit Gemüse und Semmelschnitte, der Liebste Rinderfiletspitzen mit Pilzen und Rucola-Spaghetti. Mein Fisch war PERFEKT, in meinem Gemüse jedoch zu viel Aubergine und die Semmelschnitte war irgendwie so überhaupt nicht meins. Hat auch eher nach einem Rösti geschmeckt. Was aber nicht heißen soll, dass das Essen qualitativ nicht gut war, es war super – nur größtenteils nicht mein Ding. Des Liebsten Hauptgang war „sensationell“, er hätte sich ohne zu zögern in seinen Teller reingelegt, wenn nicht die ganze Zeit ein Kamerateam irgendwo rumgestanden hätte. Mir haben sein Fleisch und seine Pilze ebenfalls geschmeckt, die Nudeln waren mir nicht mehr al dente genug und die Sauce war ebenfalls nicht so ganz mein Ding, wobei ich auch hier wieder auf meinen Geschmack verweisen muss. Unser Nachtisch, der uns kurz vor Ende der Mittagszeit zwar berechnet, aber nicht serviert wurde, war eine Mousse au Chocolat mit Ananas-Ragout. Die Mousse war sehr gut, als die Ananas-Stückchen meine Zunge berührt haben, hat mich allerdings fast der Schlag getroffen: sie haben nach Zwiebeln geschmeckt. Keine Ahnung, ob das eine Fortführung der Anti-Mälzer-Rebellion des Chefkochs war und sich nun wie ein roter Faden durch die ganze Dessertkarte zieht, aber für mich geht das GAR nicht. Für den Liebsten war es offenbar kein Problem, er fand es „irgendwie spannend“.

Als wir zum Dessert einen Kaffee und ein Weiße-Schokolade-Experiment bestellt haben, bin ich netterweise von Rob, dem Kellner, mit einem schönen Gruß von der Bar darauf hingewiesen worden, dass meine Wahl „verdammt süß“ sein würde – womit sämtliche Schadensersatzansprüche meinerseits von vorneherein ausgeschlossen waren. Anfangs war es auch gar nicht so schlimm (es war großartig!), nachdem ich allerdings den am Boden festsitzenden Lebkuchensirup mit einem Löffel verteilt hatte, habe ich kurzzeitig darüber nachgedacht, mir selber die komplette vordere Kauleiste herauszuschlagen, damit der Schmerz endlich nachlässt. Selbst schuld. Der Liebste fand diese Zucker-Überdosis grandios.

Auch ansonsten war der Service supernett, auch wenn wir erstaunlich lang gewartet haben – im Rückblick auf die allgemeine Langsam-Kritik aller bisherigen Jurymitglieder, Tester und normalen Menschen hätten wir gedacht, dass das irgendwie schneller läuft. „Erstaunlich lang“ ist allerdings noch eine Ewigkeit von der Wartezeit im Copa Room entfernt, die wir bei unserem Besuch und deren Extrem-Unterbelegung erfahren mussten, das sollte fairerweise dazu gesagt werden. Ein Patzer musste natürlich auch bei uns passieren, die Rechnung kam, alles stand drauf, aber wie oben schon mal kurz angerissen, hatten wir bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht alles gegessen, wofür wir nun zahlen sollten. Der ganze Umstand war unserem Kellner extrem peinlich, das Dessert kam dann auch ziemlich schnell nach.

Preislich.. Ach ja, was soll ich sagen… Der ganze Spaß hat uns 50 € gekostet, gleiche Liga wie Köln. Man kann dort mittags essen, aber man sollte nicht regelmäßig seine Mittagspause dort verbringen, wenn man nicht nur noch fürs Essen arbeiten will.

Der ganze Umgang mit den Gästen ist in der Grinsekatze ziemlich anders als im Copa Room. Nicht besser und auch nicht schlechter. Jedes Mal, wenn wir von unseren Tellern hochguckt haben, stand irgendein anderer Mensch mit Anna oder Rob im Arm rum und hat von sich Fotos machen lassen. Wir haben vom Nachbartisch mit Anna ebenfalls Fotos gemacht. Also für den Nachbartisch. Ob das so im Copa Room auch passiert, weiß ich nicht, damals war es nicht so. In der Grinsekatze war ohne Ausnahme jeder total nett zu uns. Aber irgendwie haben wir uns im Copa Room besser aufgehoben gefühlt, was sicherlich auch an der Affinität zu dem Interior Design liegen mag, in erster Instanz aber an der Kommunikation zwischen dem Team und uns, es war alles ein bisschen persönlicher und familiärer.

Fazit: die Grinsekatze hat genauso eine Überlebens- und Daseinsberechtigung wie jedes andere Restaurant in diesem Battle auch, wir hatten eine echt nette Zeit dort. Für den Liebsten hat in Sachen Nahrungsaufnahme die Grinsekatze den Copa Room klar überholt, für mich nicht. Insgesamt liegt der Copa Room aber weiter vorne bei ihm, wobei seine Meinung als Ex-Kölner da auch EIN BISSCHEN von Lokalpatriotismus geprägt ist. Ich mag die Grinsekatze wirklich gerne, dennoch kann sie dem Copa Room bei mir nicht den Rang ablaufen. Für mich hat sie zu wenig von einem Restaurant, insbesondere wenn ich mir vorstelle, dort zum Dinner einzufliegen.

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14 Kommentare on “München lächelt in der Grinsekatze”

  1. Rob Grinsekatze sagt:

    Schade, dass ihr so denkt..

    Ich als Ex-Ahr Bewohner (RP) bin auch ein wenig für Köln.
    Aber auch nur gegen Berlin..

    Kann mich sogar noch an euch erinnern. Schön euch hier wiederzufinden aber natürlich schade, dass wir euch nicht überzeugen konnten.

    Aber bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir im Finale stehen und ich denke nicht gegen Köln.

    Wir haben wirklich das beste Team und jeder gibt alles!
    Bei der kleinen Küche wo sich 5! Leute den ganzen Tag aufhalten, drei die kochen: abends mit Brot, Amuse, Vorspeise, Suppe, Hauptgang, Dessert.
    Und das 120 Mal!?

    Glaube mir, es ist wirklich schwer dieses jeden Tag zu schaffen. Will mich hier auch nicht ausheulen, sondern mal schildern, was alles dahinter steht, dass vieles so lange dauert. Dafür kriegt man wirklich Qualität. Für etwaige verschiedene Geschmäcker ist es natürlich nicht leicht alle zu befriedigen, aber sogar das versuchen wir noch.. :)

    Hoffe euch beide nochmal bei uns begrüssen zu dürfen und hoffe trotzdem ihr drückt uns die Daumen.

    Liebe Grüsse aus der Grinsekatze in München
    Rob

  2. Blabbermouth sagt:

    @Rob: Ihr habt uns überzeugt – davon, dass Ihr ein sehr gutes und sympatisches Team seid, dass die Grinsekatze ein sehr gutes und leckeres Restaurant ist und dass Ihr hoffentlich alle zusammen Euren Traum und Euer Ziel erreicht!

    Nur ganz am Ende, wenn es dann heißt „Köln gegen München“ – dann muss ich leider wieder eine andere Nummer wählen! ;-)

  3. vizekönigin sagt:

    Überzeugt habt ihr uns schon, nur nicht rumgekriegt.. :-)

    Wie gesagt, qualitativ war euer Essen großartig, mein Geschmack ist ja nichts allgemeingültiges. Und die Wartezeit war lange nicht so dramatisch, wie es sich vielleicht gelesen hat – nur halt nicht optimal.

    Natürlich drücken wir euch die Daumen, gar keine Frage, ihr habt es genauso verdient, wie jedes andere Restaurant auch! (Gut, bei Berlin muss ich da jetzt eine Ausnahme ma)

  4. Also da muss ich mal ganz klar pro München schreiben!
    Zum Einen, sorry persönliche Meinung, finde ich Bita und Kay nicht besonders sympathisch. Gut nicht so unsympathisch wie die Beiden schluffigen Berliner oder gar Conny aus Hamburg, aber halt nicht so wie Anna und Tobi aus München.

    Zum Anderen muss ich sagen, das ich den Copa Room sehr quitschig finde, wie ein Barbie Haus.
    Der Copa Room in Las Vegas sah mal so ganz anders aus. Soviel Kitsch, Plastik und bunti Bunt passt so gar nicht zu dem zuerst Vorgestelltem Konzept.

    Berlin disqualifiziert sich selber durch diese „irgendwie möchte ich ja, aber ich kriege den Ar*** nicht hoch“. Da tut es mir wirklich leid um den Koch.
    In Hamburg wird Conny dem Hannes leider alles versauen.

    Und Köln, ja Köln wird es nicht mehr reißen können, weil man das Küchen Problem einfach nicht auf die Reihe bekommt und der richtige Service fehlt. Die Einrichtung ist Geschmackssache, das könnte natürlich im „warmen“ Köln helfen. Aber dieses gesinge „Wir holen den Pott nach Kölle….“ nervt.

    Ach ja, die „Kunst“ in Hamburg muss ja nicht sein, aber so selbstverliebt wie Bita und Kay in Köln mit den Bildchen an der Wand.

  5. muenki sagt:

    Schön, dass die Sendung langsam größere Kreise zieht. Auch wenn mir meine Leser irgendwann vorwerfen, ich sei monothematisch, werde ich natürlich auch diese Woche wieder meinen „Senf zur Ananas“ geben. Ich glaube, wir Fans der Sendung würden auch gerne einen eigenen Laden schmeißen, nur bekommen wir Dienstags und Freitags gezeigt, dass Kleinigkeiten darüber entscheiden zu überleben. Was ich an der Grinsekatze am meisten mag, ist der Umgang zwischen Tobi und Anna. Deren Beziehung scheint unverwüstlich und selbst im größten Stress und beim schlimmsten Krach behandeln sich beide mit dem größten Respekt. „Grinsekatze“ und „Copa Room“ sind meine Finalanwärter. Zu Hamburg und Berlin bald mehr in meinem Blog, sorry Lena!

  6. hubby sagt:

    Ich finde es schade, das Leute mit Ihren Anrufen werten die noch nie in einem der Restaurants waren und so entscheiden. Nach was wird da gewertet. Pech hat der Koch in Berlin. Wie man so hört und liest ein sehr guter Mann, aber bei den Betreibern, schade.

  7. Herr Paulsen sagt:

    Schöner Bericht, vielen Dank, so bekommt man doch mehr mit, als nur vor der Glotz.

  8. Weißes Kaninchen sagt:

    Mich hat die Grinsekatze sehr wohl überzeugt und trotzdem ich ein überzeugter Köln-Fan bin. Aber Köln als Stadt und nicht dem Copa Room. Bezaubernd finde ich die Bezeichung „Barbie-Haus“. Jetzt weiss ich endlich woran mich der Copa Room erinnert. Oder eben an einen Edel-Imbiss. Die Grinsekatze ist ein Restaurant und auch eines mit einer formidablen Küche. Es ist herrlich dort und wird noch besser sein, wenn einem nicht immer ein vermaledeites Kamerateam um die Füße ist. Und wenn auch einiges paradox erscheint, Zwiebeln in der Nachspeise, die Herren werden vor den Damen bedient, dann entspricht es nur dem Motto „Alice im Wunderland“. Ich hätte noch viel mehr Paradoxen und Widersprüche, noch mehr ans Motto. Alles Gut für Anna, Toby, Andreas, Gerald, Gina, Rob und allen anderen vom Team der Grinsejkatze

  9. vizekönigin sagt:

    @Kruemelchenweb Ja, so sind sie die Kölner. Mich nervt dieses Gesinge auch, aber am Ende des Tages nervt bei jedem irgendetwas. Ob das mit den Bildern jetzt selbstverliebt ist oder nicht, sei mal dahingestellt – es sieht aber definitiv gut aus und passt super in den Laden. Ist aber wie Kitsch auch Geschmacksache. Und Anna und Toby sind sehr sympathisch, das hab ich auch nie anders behauptet – mir geht es um den Gesamteindruck..

    @hubby Das ist leider das Problem an Zuschauervotings, wobei es hier natürlich wirklich sehr extrem ist, da – wie du schon sagtest – Menschen für Läden anrufen, die sie größtenteils nur aus dem Fernsehen kennen. Das polarisiert natürlich.

    @Herr Paulsen Immer gerne, wir versuchen noch, Hamburg mitzunehmen, mal sehen ob es klappt (etwas schwierig bei den Öffnungszeiten und ausschließlich Dienstreisegründen, die zighundert Kilometer zurückzulegen)

    @weißes Kaninchen Ich hingegen bin kein Köln-Fan (um genau zu sein, mag ich Köln überhaupt nicht, mochte ich noch nie, selbst dort zu wohnen hat nicht geholfen – nur meinen Freund fand ich super, den hab ich da aber auch weggeholt), mag aber den Copa Room. Kitsch ist wie gesagt Geschmack- und Ansichtsache, der Laden hat in meinen Augen mehr Resto-Flair als die Grinsekatze, die tagsüber toll ist, für mich aber abends nichts wäre – trotz fantastischer Küche. Trotzdem wünsche ich Anna, Toby, Gerald, Gina, Rob und allen anderen vom Team viel Glück und allesalles Gute, sie stehen auf meiner Liste ja ganz knapp hinter dem Copa Room..

  10. Blabbermouth sagt:

    Ich finde, alle zusammen sollten ein kinderfreundliches Restaurant mit italo-amerikanischer Küche aufmachen. Hannes und Robert schmeißen die Küche, Bita und Kay den Service, während sich Leipzig um die Kinder kümmert und Anna und Tobi die Drinks mixen. Cornelia ist dafür zuständig, Mitarbeiter und Gäste rauszuschmeißen, während alle Teilnehmenden auf Akt-Fotografien an den Wänden hängen und grinsen.

    Sollte man als Option sehen, finde ich.

  11. vizekönigin sagt:

    Das ist doch ein Wort – könnte nur logistisch und in Sachen Lokalpatriotismus ein kleines Problem geben. Aber auf jeden Fall eine Option. ;-)

  12. Blabbermouth sagt:

    Ich hatte vergessen: während Martin in der Ecke steht und dort vergessen hat, was er eigentlich tun wollte, läuft Lena durch die Gegend erklärt ihnen, was sie falsch machen…

    Wäre doch zu schade, auf die beiden zu verzichten.

  13. vizekönigin sagt:

    Falls hier mal jemand von Vox vorbeischaut: unbedingt machen, das könnte vom Format her auch sowas wie Big Brother werden – 24 Stunden Gastro-Terror!

  14. Melanie sagt:

    Wir haben Tobi heute interviewt – und kein anderer ist so chaotisch-sympathisch wie er:

    http://www.fem.com/lifestyle/lifestyle-artikel/artikel/wir-haben-3600-mal-angerufen/


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