Mut zum Risiko

Der Mensch an sich kann besonders risikofreudig sein, oder eher nicht so. In der Finanzwelt ist nicht so gleichbedeutend mit konservativ (sichere Anlagen, überschaubare Rendite aber kaum Verlustmöglichkeiten), geht er mit mehr Risiko an die Sache, kann das in kurzer Zeit viel Geld bedeuten – oder aber ein Totalcrash. Dann gibt es Menschen, die Risiko so wenig ertragen, dass sie in ihrer Freizeit am liebsten gar nichts tun, nie den Job wechseln, niemals in den Urlaub fliegen, trotzdem aber immer laut betonen, dass ihr Lebensmotto „Carpe Diem“ oder so ist. Andersrum gibt es Menschen, die so viel mitnehmen wie es geht, sich zum Geburtstag Fallschirmsprünge wünschen, ihren Urlaub in afrikanischen Kriegsgebieten verbingen, nur mit einmal Luft anhalten 40 Meter tief tauchen und sich Krokodile im heimischen Wohnzimmer-Superterrarium halten. Nicht, dass man am Ende seines Lebens auf eine besonders langweilige Version desselben zurückblicken muss.

Das sagt Wikipedia unter anderem dazu:

Ein Risiko ist die kalkulierte Prognose eines möglichen Schadens bzw. Verlustes im negativen Fall (Gefahr).

Ein Risiko ist die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines negativen Ereignisses (mathematisch) (…)

Nun ist es aber so, das alle Menschen eins gemeinsam haben: kleinere Risiken zu unterschätzen, sich ihnen auszuliefern, zu wissen, dass man garantiert richtig einen auf die Nase bekommt und es trotzdem tun, weil der Reiz einfach viel zu groß ist.

So gerade auch in meinem Leben. Der erste Schnee, tralala, alles lustig, der Hund und der Liebste mit draußen, die eigenen Hände in Handschuhen sicher verstaut und der Rest des eigenen Körpers ebenfalls sicher eingepackt. Es könnte alles total entspannt und ruhig sein, wenn da nicht die 10 cm dicke Schneedecke auf dem eigenen Auto wäre, die (natürlich) JETZT runtergewischt werden muss, damit sie sich nicht über Nacht in eine Eisschicht verwandelt. Und währenddessen kommt mir natürlich die fixe Idee, den Liebsten, der die ganze Zeit stoisch daneben steht und wartet, mit einer Ladung halbgefrorenem Wasser zu beglücken. Ich weiß GANZ GENAU, dass das die dämlichste Idee des Tages ist, weil seine Rache fürchterlich sein wird, da hilft mir auch meine Eigenschaft, kräftetechnisch nicht im Bereich eines 14jährigen Mädchens zu liegen, nicht weiter.

Und trotzdem sehe ich mir irgendwann dabei zu, wie meine Hand eben diese Ladung Schnee auf der Motorhaube aufhäuft, abschöpft und dann alles in Richtung Blabbermouth schaufelt. Noch während der Schnee auf seine Schulter (!!) zufliegt, sehe ich zu, dass ich direkt eine Abwehrhaltung einnehme, verlagere meinen Schwerpunkt nach unten indem ich halb in die Knie gehe, fange an zu schreien und halte mir die Hände vor den Kopf. Dass ich mich keine 5 Sekunden später mit dem Rücken auf der Motorhaube wiederfinden und zu diesem Zeitpunkt schon Mund, Nasenlöcher und Ohren mit Schnee gefüllt haben werde, war durchaus kalkulierbar. Sämtliches um-Gnade-winseln hat mich kein Stück weitergebracht, sondern nur dafür gesorgt, dass mich ein hämisch grinsender Blabber mit einer Hand weiter auf das Auto gedrückt und mit der anderen Schnee in meinen Stehkragen geschauftelt hat.

Ich war also komplett durchgefroren und meine Klamotten nass. Und gebracht hat mir der vorhergehende Adrenalinkick in Bezug auf meine Kosten nichts, er hat ja alles mit seiner Jacke abgefangen. Ganz toll. Und trotzdem habe ich gerade wieder Schnee in der Hand gehabt und überlegt, ob ich das Risiko eingehen soll. Es hat mich wirklichwirklich gereizt. Aber ich habs erstmal sein gelassen.

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3 Kommentare on “Mut zum Risiko”

  1. Manuel sagt:

    du hast ja voll den arschloch-freund… :D

  2. Blabbermouth sagt:

    Nunja, jedem wie er (oder sie) es verdient, oder? Ein SO hinterhältiger Anschlag auf meine Gesundheit musste einfach bestraft werden – allerdings freue ich mich schon den ganzen Herbst darauf, die Vizekönigin einzuseifen… *brrrrrrr*!

  3. Kristina sagt:

    Ich habe gestern in einem Anfall von Übermut und Wahnsinn meinen Zeigefinger in Manuels Ohr stecken wollen, einfach so, um ihn zu ärgern. Noch BEVOR ich es tun konnte, fand ich meinen Arm in seiner Hand, die ihn fest wie in einem Stahlgriff hielt, während er seinen Finger genüsslich langsam im Mund mit Spucke ummantelte, um mir dann mit eben diesem gefühlte zehn Minuten lang im Ohr rumzuprökeln.
    Ich denke, wir haben keine Chance, liebe Bald-Schwägerin…


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