Warum mein Job mich in den Wahnsinn treibt

Gestern noch mit dem Liebsten darüber gesprochen (mich bei ihm ausgekotzt trifft es vielleicht eher), gerade bei Thomas Knüwer gefunden und mich gefühlt, als hätte mir jemand keine 24 Stunden nach meinem Rumgeheule öffentlich aus der Seele gesprochen.

Es gibt Gründe, warum Deutschlands Verlage im Internet so dahindümpeln. Dazu gehört, jede Idee in ein Projektteam zu leiten, das in unendlichen Projektsessions über Monate – „Es ist ja so schwer, einen Termin zu finden“ – ein „Proposal“ entwirft, das nach einigen Monaten der Geschäftsführung vorgelegt wird, die Nachbesserungen fordert, die nur wenige Monate später in das Papier geschrieben sind, woraufhin es dem Vorstand vorgelegt wird, der aber noch mehr Informationen zur Entscheidung…

Und dabei reden wir von Investitionen in überschaubaren Bahnen.

(Sicherlich ist die Machtmaschine auch interessant, danke für die Info – aber mir gings jetzt in erster Linie um die weisen Worte)

Ja. Genau so siehts aus. Und wenn man es mal aus der persönlichen Sicht betrachtet: man fühlt sich eingeschränkt, klein gehalten, kann sich nicht entfalten, nicht entwickeln und seinen Job so machen, wie man ihn eigentlich kann. Anfangshysterie mit Standing Ovations nach einer Präsentation, plattgemacht von demotivierenden Prozessen, die ewig lange brauchen und endgültig ausgebremst mit dem allgegenwärtigen: „Geht nicht, kein Budget da“. Ideen werden dank der Bürokratie in den Hintergrund geschoben und erst dann wieder rausgeholt, wenn es schon viel zu spät ist; wenn XY „das jetzt auch hat“ und man es sich jetzt eigentlich auch sparen kann. Und dann gibts natürlich Prügel, weil irgendein Ziel nicht erreichbar wurde, oder in nicht erreichbare Ferne gerutscht ist – weil XY ja jetzt Trilliarden mehr PIs hat. Nicht zuletzt dank dem Ding der Applikation, die man selbst für uns schon ein halbes Jahr vorher durchboxen wollte.

Ehrlich, ich liebe meinen Job. Ich arbeite auch sehr gerne für „meinen“ Verlag. Und ich behaupte mal, dass es hier noch mit am angenehmsten ist, wenn ich mir mal überlege, was andere Verlage sich für Programme reinziehen müssen. So ist es nun mal, wir arbeiten ja auch nicht mit 20 Mann hier – die Wege sind einfach länger, muss man sich halt dran gewöhnen. Ich arbeite gerade daran. Trotzdem nervig.

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