Veränderung

Alles verändert sich mit der Zeit. Menschen, Umgebungen, Charaktere, Einstellungen, einfach alles. Man kommt irgendwo hin, wo man schon lange nicht mehr war und denkt sich nicht nur: „Määänsch, bin ich alt geworden“ oder „Boah, DAS sah vor 15 Jahren aber anders aus“ – das wäre ja normal. Man nimmt plötzlich auch Sachen wahr, die vor 10, 15 Jahren noch unaussprechlich, weil irgendwie mit Riesen-Tabus behaftet, waren und heute ganz normal sind.

Sowas fängt mit profanen Dingen wie Tattoos an – vor 10, 15 Jahren in den Köpfen der meisten Menschen noch plakativer Teil einer Gesellschaft, der sie noch nicht mal tagsüber in einer extrem belebten Fußgängerzone begegnen wollen, sind ja alle asozial und kommen aus dem Knast. Da war man noch Rebell mit seinen Bildchen. Also die, die nicht eine Rose auf der Schulter oder einen Delfin am Sprunggelenk darstellten. Man war für die einen asozial, für die Eltern durchgeknallt, für die Freunde wie immer und für andere ein Freak. Heute liegt man am Strand und beobachtet ein Mittsechziger-Pärchen, welches (logischerweise) sehr sparsam gekleidet in die Fluten steigt und dabei ganz selbstverständlich flächendeckende Riesentats zeigt, eins neuer, größer, bunter und abgefahrener als das andere  und alle zusammen extremer als so vieles, was man selbst bis dahin gesehen hat – und man hat wirklich schon viel gesehen. Aber am Ende ist das ja nur gut so.

Oder Musik – wurde technoide Plastikmusik vor 20 Jahren noch als das Türklingeln des Tors zum Vorhof der Hölle mit empirisch belegter Tinnitus-und-Drogensucht-Garantie verteufelt und man vor 15 Jahren noch später Teil einer Art Untergrundbewegung war, die der Kommerzialisierung dieser Musik sehr kritisch gegenüber stand, weil sie sie nicht mit den ganzen Eurotrash-hörenden Deppen aus Regierungsbezirks-Großraumdiscos teilen wollte und es nicht besser wusste (ja, auch damals wollten Künstler ihre Miete bezahlen), ist sie heute allgegenwärtig, wenn auch sicherlich in abgeschwächter Form. Oder in schlimmerer Form. Aber überall, im Fernsehen, im Supermarkt, im Hotelfahrstuhl, sogar in der Musik von ausgewiesenen Rockstars – überall gibt es Musik aus der Dose.  Auch das ist gut so.

Es gab auch mal eine Zeit, in der Menschen ein euro-asiatisches Pärchen angesehen und laut gedacht haben: „Na, wenn der DIE nicht mal aus nem Katalog bestellt hat..“ Mag sein, dass es diese Menschen nach wie vor gibt, aber sie sagen es nicht mehr. Warum? Weil es jeder tut. Vollkommen normal, dass man als Mann nach Thailand fliegt und sich wahlweise für die Dauer des Aufenthalts oder auch darüber hinaus eine Gefährtin sucht – der eine kriegt hier keine ab und der andere steht einfach auf Asiatinnen, also who cares? Macht man auf Kuba ja schließlich auch und da regt sich auch niemand drüber auf. Der Nachbar fliegt für 4 Wochen in den Urlaub, kommt zurück und hat eine Frau dabei, heiratet sie nach 6 Monaten – gut, es wird mal kurz drüber gesprochen, aber so richtig interessiert es niemanden. Es gibt auch europäisch anmutende Männer, die mit thailändischen Männern rumlaufen: nach kurzem Überlegen kommt dann die Erkenntnis, dass auch schwule Männer auf Asiaten stehen können. Es ist nicht mehr exotisch, eine exotische Frau zu haben, es ist normal geworden. Das ist fast nur in der Konstellation so, umgekehrt fliegen Frauen eher nicht nach Asien, um einen Mann aufzureißen – aber die ebenfalls größer werdende Gruppe Frauen, die sich extra dafür in Richtung Italien, Südamerika oder Afrika bewegt, ist mittlerweile auch eher ein Thema, über das man nichts mehr sagt. Nicht, weil man es unter den Tisch kehrt, sondern weil es nicht mehr spannend genug, weil es normal geworden ist. Gut so.

Es gibt plötzlich einen neuen amerikanischen Präsidenten, der neben seiner Rolle als „mächtigster Mann der Welt“ auch noch Popstar ist. Jung, dynamisch, nicht weiß, nicht weißhaarig.  Der erste „farbige“ Präsident der USA. Warum das immer  und immer wieder betont und thematisiert werden muss, ist mir schleierhaft – auch wenn er der erste ist, jaja – er ist trotz allem nur ein Mensch. Aber trotzdem auch eine schöne Veränderung, das ist wirklich gut so (schön, dass ich es jetzt auch noch mal thematisiert habe).

Das könnte jetzt noch kilometerlang so weitergehen mit den Veränderungen. Dann schreibe ich aber nur noch diesen Post und sonst nichts mehr.

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5 Kommentare on “Veränderung”

  1. vogelmann sagt:

    The only constant is change. :-)

  2. bemme51 sagt:

    naja… mich wunderts nicht ganz so, dass wir hier noch soviel drüber labern.

    aber dafür findet sich auf der mitarbeiter-tafel eines durchschnittlichen mediamarktes oder baumarktes in berlin nicht annähernd die prozentual entsprechende quote an „nicht-deutschen“ wie in der in berlin lebenden bevölkerung. integration: #fail.

  3. Blabbermouth sagt:

    …wurde technoide Plastikmusik vor 20 Jahren noch als das Türklingeln des Tors zum Vorhof der Hölle mit empirisch belegter Tinnitus-und-Drogensucht-Garantie verteufelt…

    Bin ich jetzt konservativ, wenn ich das immernoch denke?? *gnihihi* …

  4. juf sagt:

    Im Vergleich zu den meisten Orten und Menschen habe ich eher das Gefühl, jünger geworden zu sein.

  5. fufu sagt:

    Ja, so ist das…Veränderung ist etwas Gutes, auch wenn nicht immer Gutes aus Veränderung entstehen muss..
    Natürlich ist Obama auch nur ein Mensch, aber hey…hat nicht auch der was von change gesagt? :D


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