ebay – same shit, different day.

Ebay ist ja so eine Sache. Auf der einen Seite ein super Ding, um überflüssige Sachen, die nicht weggeworfen werden sollen, loszuwerden oder immer gesuchte Schätzchen zu finden, auf der anderen Seite ein Garant für schlechte Laune, wenn man als Verkäufer agiert. Über das sensationelle Bewertungskonzept hab ich ja schon mal geschrieben, man kommt aber aufgrund immer neuer Höhepunkte nicht dazu, sich nicht wahlweise permanent oder zumindest ab und zu mal darüber auszulassen. Das Bewertungssystem von ebay funktioniert eigentlich ganz einfach: nach Abschluss der Transaktion bewertet man genau diese und damit den Käufer oder Verkäufer. Als Käufer hat man die totale Gewalt über die Reputation des Verkäufers, man kann nämlich positiv, neutral oder negativ bewerten. Soweit, so belanglos. Seit der Neuerung (die jetzt schon etwas länger her ist) sieht es jedoch so aus, dass der Verkäufer nicht mehr wie vorher ebenfalls in drei unterschiedlichen „Abstufungen“ bewerten kann, er kann nur noch positiv oder gar nicht werten. Warum? Damit der Käufer keine Angst vor Rachebewertungen aus Verkäufers Richtung haben muss.

Generell ist das ja nachvollziehbar. Irgendwie. Man muss sich zwar schon fragen, welcher Verkäufer mit seiner eigenen schlechten Leistung so wenig klar kommt, dass er negativ zurückbewertet, wenn er bezahlte Ware nicht losgeschickt hat oder die Digicam sich beim Auspacken als ein Ziegelstein entpuppt, aber gut. Was ist denn aber mit den Verkäufern, die monatelang auf ihr Geld warten? Die können nichts machen, überhaupt nichts. Zum einen weil dieser ganze Mechanismus dazu führt, dass ein Käufer nienieniemals eine negative Bewertung bekommt und der Verkäufer nicht im Vorfeld schon auf einen eventuellen Nichtzahler aufmerksam gemacht wird, zum anderen weil der Käufer eben aufgrund dieser nicht vorhandenen Negativ-Bewertungsfunktion ziemlich entspannt nichts tun und nicht zahlen kann. So ist es mir jetzt wieder mal passiert.

Ein Käufer zahlt nicht, reagiert nicht auf meine noch sehr nette Nachfrage, insgesamt 2,5 Wochen nach Auktionsende schicke ich dann doch mal eine Erinnerung über das Ebay-System (will heißen, ich habe einen „Fall gemeldet“) und bekomme weder Reaktion noch Geld. Ein Klick auf die Bewertungen hätte mir verraten können, wie es um die grundsätzliche, von unserer Transaktion unabhängige Zahlungsmoral des Spaßvogels geht, normalerweise. Ich klicke also drauf und kriege ganz große Augen: „Oooohh, aber er ist doch so ein guter Käufer, 100% positive Bewertungen!“ Ja klar, wenn er keine negativen Bewertungen kriegen kann, ist auch alles rosa. Jedenfalls warte ich nun seit über einem Monat auf mein Geld und kriege NIX. Keine Antwort, kein Geld, also wird der Fall dann abgeschlossen, ich kriege die ebay-Gebühren, die mir schon längst vom Konto abgebucht worden sind, erstattet und kann den ganzen Driss von vorne anfangen. Und ich kann anderen Verkäufern noch nicht mal mitteilen, dass der Typ doof ist und stinkt.

Auch schön: Käuferin zahlt, ich schicke den Umschlag per Einschreiben los, er wird ausgeliefert (kann man ja kontrollieren) und sie kriegt angeblich nichts. Zu doof, dass es ein Einwurfeinschreiben war, bei dem nur der Einwurf in den von ihr als unknackbar beschriebenen Hochsicherheitsbriefkasten (der auch noch so tief ist, dass man nichts rausfischen kann) quittiert wird, nicht aber die Übergabe. Sprich der Postbote unterschreibt und nicht der Empfänger. Die Dame hat natürlich noch NIE irgendwelche Probleme mit dem Postboten, den sie schon seit ihrer Kindheit kennt, gehabt, die Nachbarn sind auch alles alte, total liebe Menschen und überhaupt kann man nichts aus dem Briefkasten ziehen, weil er hinter dem Einwurf gefühlte 2 Meter tief ist. To make a long story short: ich hab das Paket angeblich nicht losgeschickt. Sie hatte die Sendungsnummer, die Telefonnummer von der Post, mit der ich zum Eskalationszeitpunkt schon 5x telefoniert habe und das Einlieferungsdatum, ich einen „Fall“ von ebay am Hals und das Ganze für knapp 5 Euro. Der Ton der Dame war eigentlich von der ersten Mail an komplett auf Krawall gebürstet und es erklärt sich ja von selbst, dass sie mir ein negative Bewertung gegeben hat. Nun hatte ich sie schon positiv bewertet, könnte also überhaupt keine negative Rachebewertung hinterher schieben, wenn ich wollte – was mir niemals eingefallen wäre. Hätte ich sie aber nicht vorher bewertet, hätte ich bei alten Bedingungen zumindest die Chance gehabt, ihr eine neutrale Bewertung zu geben, ihrerseits war die Abwicklung nämlich alles andere als positiv. Ist ja nicht so, als ob die Käufer, die den Rand so weit aufreißen, auch die sind, die ad hoc überweisen würden. Und jetzt konnte ich auch nur noch auf die Bewertung antworten und es irgendwie schön reden. Zum Glück lesen sich meine anderen Bewertungen so, dass man als Außenstehender eigentlich nur denken MUSS, dass da ausnahmsweise irgendwas nicht in Ordnung gewesen ist. Schade nur, dass sich nicht jeder die Mühe macht, um überhaupt dort hin zu kommen, sondern die Prozentzahl 98,4 liest und schon keinen Bock mehr hat, ein Gebot abzugeben.

Wer hat sich bei ebay dabei eigentlich was genau gedacht, wenn ich fragen darf???

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3 Kommentare on “ebay – same shit, different day.”

  1. shyen sagt:

    Wenigstens hast Du Dein Geld zurückbekommen. Ich hab die knapp 20 € von 2 nicht bezahlten Auktionen nicht wiedergesehen, nach mindestens 5 maligem „Fall melden“. Pech gehabt. Und dass das Käufer- Bewertungs- System vollkommen fürn A**** ist kann sicher jeder bestätigen, der jemals etwas auf Ebay verkauft hat.

  2. Jakob sagt:

    Ich finde es lächerlich, wenn man als Verkäufer einen Käufer nicht negativ bewerten kann. Denn das impliziert, dass es scheinbar nur an einem liegen kann, wenn etwas schief läuft: dem Verkäufer. Und da das (sehr offensichtlich!) nicht simmt, schon theoretisch nicht stimmen kann, halte ich das für einen ziemlich miesen Zug von eBay. Zum Glück bin ich kein Verkäufer.

  3. vizekönigin sagt:

    @shyen – Das klingt definitiv nach Total-Abriss, ich glaub, wenn ich das Geld nicht zurückkriegen würde (mir gehts nicht um die paar Cents, von denen ich in dem Fall spreche, sondern ums Prinzip), wäre ich mittlerweile auch abgemeldet.

    @Jakob – Genau so siehts aus, der Verkäufer ist eigentlich immer der Dumme, egal wie er es dreht und wendet. Sei froh, dass du dich damit nicht rumschlagen musst. Ist bei mir aber zum Glück auch kein Dauerzustand..


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