Hasta la vista, Baby!

Als Projektleiter muss man eigentlich damit leben, einen Job final aufzugeben und nicht mehr für ihn verantwortlich zu sein. Arbeitet man auf der Dienstleisterseite, passiert das regelmäßig: Projekt gelauncht, Kunde zufrieden, Team kaputt, aber glücklich, Dokumentation fertig, Übergabe, Projekt abgeschlossen. Neuer Kunde, alles wieder von vorne. Sitzt man auf der Kundenseite, ist es etwas anders, man rechnet eigentlich überhaupt nicht damit, dass ein Projekt von gewissem Ausmaß jemals vom eigenen Radar verschwindet. Aber es passiert.

Es kam nicht überraschend, trotzdem war es am Ende irgendwie merkwürdig. Der ganze Projektplan einmal rückwärts, kein Aufbau einer Site, sondern der Abbau. Die systematische Rückführung eines Projekts, das mich viel Herzblut gekostet hat, das mich dazu bewegt hat, im Ruhrgebiet die Zelte abzubrechen und irgendwohin zu ziehen, wo ich alleine war, die Sprache nicht verstanden, aber einen sehr vorteilhaften Eintrag in meinem Lebenslauf bekommen habe. Und mir nebenbei den Mann meines Lebens serviert hat. Ich wurde in das Projekt reingeholt, als der Relaunch zum ersten Mal richtig tief drin steckte und ein neues Team ran musste, um den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Hat geklappt, haben wir super hingekriegt. Dann das Re-Design, nur ein Jahr später und plötzlich sah die Site auch erwachsen aus, cool und stylish für eine Zielgruppe, die für mich ein angenehmes Kontrastprogramm zu meinem anderen Projekt mit Silver Surfer-Zielgruppe war. Sie hat zahlentechnisch leider immer nur im Mittelfeld in einem extrem hart umkämpften Feld gespielt, aber sie hat Spaß gemacht. Den Redakteuren, unserem Konzeptioner, unserem Community Manger, unserem technischem Leiter, der Chefetage, der Agentur und mir.

Leider hat das nicht ausgereicht, die Seite unsererseits am Leben zu halten. Das übergeordnete Produkt wurde eingestellt, was das gleiche Schicksal für die Online-Ausgabe bedeutete. Auch wenn mir der Vorschlag des GFs der dieses Projekt betreuenden Leadagentur im Moment der Überbringung der schlechten Nachrichten meinerseits etwas makaber vorkam, war er am Ende des Tages der beste, den die Agentur machen konnte. Seit heute gehört die Seite nicht mehr zu uns, sondern zu dieser Agentur, um 16 Uhr wurden die DNS-Einträge umgestellt, um 17 Uhr war mein Name aus dem Impressum verschwunden und jetzt erinnert nichts mehr daran, dass die Seite mal zu uns gehört hat.

Jungs und Mädels, viel Glück damit, ihr seid jetzt dran. Setzt das um, was wir die ganze Zeit aus welchen Gründen auch immer nicht umsetzen konnten und macht was draus! Die Ideen waren cool, wenn ihr das alles macht, wirds richtig jut (auch wenn der PM, der sie erfunden hat, jetzt nicht mehr bei euch ist ;-)). Ich bleib angemeldet und gucke zu!

Mein Baby wird jetzt richtig erwachsen. Und ich sentimental. Meine Güte, stell dich nicht so an, ist nur ne Website!!!

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4 Kommentare on “Hasta la vista, Baby!”

  1. pxt sagt:

    Am Ende sind es sogar nur Bits und Bytes. Eigentlich sind es nur binäre Abstraktionen eines Werkes, die als Elektronenströme ihr körperloses Dasein dahin rasen.

    Trotzdem darf man gerne die Klasse „Träne“ laden, eine Instanz davon bilden und die Methode „vergießen()“ aufrufen … sofern die eigene VM noch richtig funktioniert.

  2. Jakob sagt:

    Tut mir leid, liebe Vizekönigin! Sowas ist echt schade, wenn man Spaß an dem Projekt hatte und es nicht funktionieren wollte.

    Ich muss allerdings ehrlich sagen, dass ich auch viel Spaß an Neuanfängen habe. Ich freue mich regelrecht, wenn etwas zuende ist, damit ich etwas Neues anfangen kann! Ich hoffe, auch du kannst so in deine nächste Zeit gehen und findest etwas Neues, was du genauso liebst. :)

    @pxt: Geile Metaphern! :D

  3. jasmin sagt:

    Binär hin oder her – ich weiß was du meinst.

  4. vizekönigin sagt:

    @pxt – So schlimm war es dann doch nicht. Hab es tränenfrei überwunden. ;-)

    @jakob – Ich habe noch etwas anderes, was mir Spaß macht und was auch grundsätzlich etwas „wichtiger“ ist. Klar habe ich jetzt mehr Zeit für dieses andere Thema, aber im großen und ganzen ist es dennoch schade. Andererseits ist es so, wie es jetzt gelaufen ist, auch gut so. Die Alternative wäre gewesen, dass die Seite komplett verschwindet..

    @jasmin – Ich weiß, dass du weißt, was ich meine. :-) Machst du denn noch weiter?


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