Fokus auf Verkaufen.

Ach ja, ebay. Seit über 10 Jahren bin ich da schon Mitglied und war zwischendurch sogar mal hauptberuflich dort unterwegs, hatte einen richtig gut laufenden ebay-Shop und außer der Gebühren weiter eigentlich keinen Ärger mit dem Verein. Aber das muss ja nicht so bleiben, wäre ja langweilig.

Mit der von mir an dieser Stelle nicht nochmal diskutierten Bewertungsänderung irgendwann letztes Jahr hat ebay mich schon echt rasend gemacht, aber selbst wenn man glaubt, der Gipfel der Dreistigkeit könne nicht weiter erreicht werden, weil es schon passiert ist, legt ebay noch einen drauf. Ebays neuer Schlachtruf nennt sich „Fokus auf Verkaufen“. Nun bin ich ja kein Powerseller mehr, sondern verkaufe in unregelmäßigen Abständen Sachen, die ich als Ballast empfinde, die zu viel sind, die ich nicht mehr brauche (in den meisten Fällen nicht mehr trage) oder sonstwie nutze und die mir trotzdem zu schade sind, um sie wegzuschmeißen. Alles Sachen aus meinem persönlichen Eigentum, größtenteils gebraucht, gelegentlich mal auch nicht. Ich freue mich, wenn der Kram weg kommt und ich mit einer Art virtuellem Garagenverkauf einen Wochenendtrip für den Liebsten und mich springen lassen kann. Worauf liegt also mein Fokus? Natürlich auch auf dem Verkauf.

Klickt man sich zu der entsprechenden Seite auf ebay durch, wird man so empfangen:

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Sieht ja alles soweit ganz toll aus. Die bessere Angebotsgestaltung ist der Wahnsinn, ja – hier mag der Fokus auf Verkaufen liegen. „Noch wirtschaftlicher verkaufen“ ist bestimmt für gewerbliche Verkäufer der Brüller, betrifft mich ja aber im großen und ganzen nicht. Mir geht es dann doch eher um die neuen Grundsätze. Um das, was hier irgendwie noch schön aussieht, mal so darzustellen, wie es tatsächlich gemeint ist, muss ich ein paar Punkte leider etwas auseinander nehmen.

Punkt 1: Kostenloser Versand in bestimmten Kategorien.

Es ist in Zukunft in manchen Kategorien Pflicht, die Artikel kostenlos zu versenden, egal ob man sie gewerblich oder privat verkauft. Wieso? Steht hier:

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Von welchen Artikeln spricht ebay? Das sind diese hier:

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Für mich wird es bei dem Punkt Damen-Accessoires interessant:

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Um das also mal kurz zusammen zu fassen: weil der Markt in dieser Kategorie so hart umkämpft ist und es im e-Commerce offenbar (und ohne dass ich das jemals gemerkt hätte) zum guten Ton gehört, solche Artikel kostenlos zu verschicken, muss ich das jetzt auch tun. Mag ja bei kleinteiligen oder klein zusammenfaltbaren Sachen noch irgendwie drin sein, aber wenn ich einen Hut oder noch besser eine Sonnenbrille verkaufe, diese dann im Karton (die einzige und damit erste Versandmöglichkeit) per DHL-Paket für knapp 7 Euro verschicke (ich verschicke ja aufgrund meiner grandiosen Erfahrungen nur noch versichert), sind das meine Kosten, die ich aus Wettbewerbsgründen, die ich ja eigentlich nicht zu haben brauche (weil ich ja kein gewerblicher Verkäufer bin), selber tragen MUSS. Nicht kann, sondern MUSS. Dafür bekomme ich aber 20% Rabatt auf die Verkaufsprovision. Um diese 7 € wieder raus zu kriegen, muss ebay muss also wieviel Provision von mir bekommen? Richtig. Mindestens 35 Euro. Und für wieviel Geld muss ich einen Artikel verkaufen, damit ich ebay so viel Provision zahlen kann?

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Alles klar? Für mich nicht. Da steht zwar, auf welcher Grundlage sich die Provision berechnet, aber ein Prozentsatz, mit dem man wirlich ermitteln kann, was ebay an meinen Sachen mitverdient, fehlt erstmal auf der „Verkäufergebühren“-Seite komplett. Ich hab auch keine Ahnung, wo ich dahingehend irgendwas finde, aber da, wo es eigentlich sein sollte, ist es nicht und ich bin wie jeder andere faule User auch: ich suche nicht weiter, sondern zahle einfach.

Okayokay, diese 20% Regelung gilt nur für Shop-Verkäufer, bin ich ja nicht. Könnte ich aber, ein Shop setzt keine gewerbliche Tätigkeit voraus. Und sie gilt nur für einen bestimmten Zeitraum. Kein Shop – Pech gehabt. Shop oder nicht Shop, anderer Zeitraum: richtig kalkulieren. Andere Verkäufer kalkulieren schließlich auch so, dass sie auf den Kosten nicht sitzen bleiben. Können sie ja auch, sie haben ja auch einen Startpreis, der für gewöhnlich den Einkaufspreis nicht unter- sondern überschreitet. Meine Artikel starten immer ab einem Euro und in der Regel habe ich keine Sachen dabei, die die Hunderter-Marke sprengen, ich mache also zukünftig ein nur bedingt gutes Geschäft.

Ein anderer toller Punkt, der hier irgendwie in das Gute-Laune-Package mit reingemogelt wird, ist:

Punkt 2: Neuer effizienter Prozess zur Problemlösung

Wir erinnern uns? Fokus auf Verkaufen. Der Verkäufer an sich denkt sich: toll, endlich mal ein neuer, effizienter Prozess zur Problemlösung, nachdem es Verkäufern doch recht schwer gemacht wird, einem nicht zahlenden Käufer die entsprechende Bewertung zukommen zu lassen – wieder einmal aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Tatsächlich sieht der Text hinter dem Link aber folgendermaßen aus:

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Man beachte besonders den ersten Satz in dieser nichtssagenden Innovation. Wenn ich mich nicht irre, hab ich ein solches Problem nur als Käufer, nicht als Verkäufer. Als Verkäufer sollte ich ja nach Möglichkeit dafür sorgen, dass der Artikel geliefert wird und der Beschreibung entspricht. Irgendwann im Laufe des Jahres wird aber ein Prozess eingeführt, der sich bewährt hat. Aso. Aber bei dem Problem an sich hilft das doch auch nicht weiter, oder doch? Inwieweit ebay jetzt ausgerechnet dem Verkäufer helfen soll, eine Unstimmigkeit zu klären, bevor sie zu einem großen Problem wird, ist mir ein Rätsel. Aber ich hab ja meine Checkliste. Als Verkäufer.

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Kann mir mal bitte irgendwer erklären, was das eine mit dem anderen zu tun hat?? Es ist auf jeden Fall echt total toll und ebay-gesetzestreu, wenn ich „nervige Käuferfragen“ (ja, das nennen die wirklich so!) von vorneherein nicht beantworten muss, da sie schon ins Template eingebaut sind, ich den Artikel in 5 Varianten mit nur einmal Gebühr in der richtigen Kategorie eingestellt und zusätzlich zu meinem Artikel, den ich wahlweise in einer 6. Variante oder in der hoch und heilig geschworenen Bearbeitungszeit NICHT verschickt habe, noch den Versandstatus zur Verfügung stelle. Gibt ja ein neues Tool von ebay, was mir hilft, das wieder gut zu machen. Und außerdem hatte ich ja meine Checkliste.

Auch schön: eine verpflichtende Bearbeitungszeit für alle Angebote. Ich geb dann mal pro forma 7 Tage ein, für den Fall, dass ich abends nicht mehr zur Post komme oder versehentlich mal krank werde.

Jetzt stelle ich erstmal den ganzen restlichen Rotz ein, der im Keller steht und dann war´s das auch mit ebay.

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One Comment on “Fokus auf Verkaufen.”

  1. vogelmann sagt:

    Ich fand ebay schon immer befremdlich.


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