Der Feind in meiner Küche

Ich bin ja nicht wirklich Kaffee-Trinker. Kaffee trinke ich eigentlich nur, wenn es sein muss und ich mir einbilden kann, davon in irgendeiner Form wach zu werden (wobei ich das für ein Gerücht halte, Koffein zieht bei mir irgendwie nicht) oder ich bin das, was manche Menschen in anderer Form, mit anderen legalen Drogen sind: Gelegenheitskaffeetrinker. In Gesellschaft, wenn andere Leute Kaffee trinken und ich meine, nicht wenigstens um einen Latte Macchiato herum zu kommen. Irgendwie gibt mir Kaffee nicht besonders viel, ich habs auch nicht so mit Bitterstoffen. Und ich habe noch nie in meinem Leben eine Kaffeemaschine besessen. Der Nespresso-Automat wurde auch eher aus niederen Beweggründen gekauft – für die drei Espressotassen, die ich in 6 Monaten zu Hause konsumiere, hätte wohl auch eine Espressokanne für 15 € gereicht. Aber da ist dann ja immer das Kaffeepulver offen und verliert Aroma, welches ich sowieso nicht deuten kann. Also besser Kapseln, die ich hier draußen im Off ausschließlich online bestellen kann. Und überhaupt sieht das Ding ja auch viel schöner aus. Vor allem jetzt, wo es in der Abstellkammer steht, um nicht weiter Platz zu klauen und Staub zu fangen.

Kaffeegeruch ist auch nochmal so eine Sache. Ich gehe gerne zum Schnüffeln in Tchibo-Läden rein und finde es auch ganz toll, wenn so ein Pfund Kaffeepulver sein Aroma in meiner Küche verteilt, aber was wirklich überhaupt gargargar nicht geht, ist der Geruch von getrunkenem Kaffee aus einem Mund heraus. Da ist es auch egal, ob Raucher oder Nichtraucher, wobei der Raucher den Nichtraucher um einen Hauch schlägt. Aber am Ende des Tages ist es egal. Dieser Geruch erinnert mich primär an meine Schulzeit, nullte Stunde Mathe um 7:15 morgens, direkt nach dem Wachwerden. Und auch ohne diese Erinnerungen würde ich beim Knutschen wahrscheinlich sogar ein Gemisch aus Mett, Zwiebeln und Knoblauch dem Plörregeschmack immer noch vorziehen. Weiß ich aber auch nicht.

Und nun ist es passiert: eine Kaffeemaschine ist bei uns eingezogen. Blabbermouth arbeitet ja jetzt zu Hause und vernichtet dermaßen viel von dem Zeug, dass ein mühevolles Zubereiten von Nespresso-Milchkaffees zu nervig, lang und anstrengend und der Dauerkonsum von Dolce Gusto (die Maschine, die mit ihm eingezogen ist) wohl zu teuer ist. Filterkaffee muss her. Und jetzt steht sie in unserer Küche, riesengroß (wie ich finde), nicht zum Rest des Küchenequipments passend, aber immerhin silberfarbener Edelstahl, wenn auch nur -look. Und sie macht die gleichen gurgelnden Geräusche, wie das Monster, dass mich bei meinen Eltern morgens um meinen leichten Schlaf gebracht hat. Unserem koffeinsüchtigen Besuch konnten wir am Wochenende auch immer genug Dosen seiner Droge zuführen, ohne dafür fünf Espressi in eine Tasse zu kippen. Der Liebste ist glücklich und kann seinen Flüssigkeitshaushalt jetzt endlich ausschließlich über Kaffee regeln. Und ich gehe ungeküsst zur Arbeit – ein bisschen Schwund ist halt immer.

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2 Kommentare on “Der Feind in meiner Küche”

  1. Gisela sagt:

    Mein herzliches Beileid :-) Bei mir hat es Jahre gedauert, bis ich mich an den Geschmack von Kaffee gewöhnt habe, aber jetzt geht’s halt nicht mehr ohne.

    Gruss, Gisela

    http://meinjournal.wordpress.com

  2. vizekönigin sagt:

    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich das wirklich will – Sucht ist ja immer so ne Sache.. ;-) Aber danke trotzdem! :-)


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