Altes Ravemädchen

Der Begriff Junggesellen- oder Junggesellinnenabschied ist für mich mehr mit peinlichen Aktionen als mit Spaß behaftet, was für manche Menschen unverständlich ist, für mich und meine Freunde jedoch nicht. Die Vorstellung, mit einer Perücke, angeschnallten Engelsflügeln, Krankenschwesterkostüm, rosa T-Shirt mit „Soon to be Mrs. Blabbermouth“-Logo  und seinem Konterfei auf der Brust, wahlweise einem Bauchladen oder Karton mit kleinkalibrigem Alkohol bewaffnet und eingerahmt von ein paar betrunkenen, kreischenden Hühnern durch meine Stadt, im besten Fall auch noch meinem Viertel, in dem wir damals, als wir noch jung waren, innerhalb kürzester Zeit die Clubherrschaft an uns gerissen haben, gejagt zu werden, ist gelinde gesagt eine Horrorvorstellung, die mir gerne erspart bleiben darf. Und bisher auch im Statistenmodus erspart geblieben ist.  Genau deswegen habe ich es wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass mir ein solches Happening an sich von vorneherein erspart geblieben ist, indem man es mir einfach gar nicht erst vorgeschlagen hat.

Der Liebste hat jedoch – wie das so in Männerfreundschaften ist – einen JGA aufgedrückt bekommen (und sich jetzt auch nicht soo sehr dagegen gewehrt ;-)), was in meinem Fall dazu geführt hat, dass ich die Gunst der Stunde nutzen und mich mit meinen besten und liebsten Freunden treffen konnte, die ich im schlimmsten Fall schon seit über 2 Jahren nicht mehr gesehen habe. Angefangen in einer Bar, die wir eine ganze Zeit lang exklusiv nur für uns hatten und in der wir 5 Stunden lang alles mögliche durcheinander getrunken und gegessen haben, über zwei Hochzeiten gesprochen, alte Zeiten reflektiert, die Zukunft orakelt und meinen Hund bespaßt haben, der (sorry) definitiv die coolste Sau des Abends war, ich liebe ihn für seine Unkompliziertheit. Es wurde viel gelacht, ausgerechnet, wie lange manche anwesenden Konstellationen wie und in welcher Form schon existieren, wie sich wer kennen gelernt und weiterentwickelt hat und es wurden neue Konstellationen geschaffen, die schon lange ausstanden, mit denen jedoch nicht zwangsläufig zu rechnen war. Wir haben das Promo-Team mit ihren Kryptex-Spielchen und unseren besonders cleveren (bei näherer Betrachtung eher kriminell angehauchten) Techniken an die Grenze der zu verschenkenden T-Shirts gebracht, ein Auto LEICHT ;-) verbeult und unglaublicherweise hatte keiner eine Kamera dabei, dieser Umstand ließ sich aber auch relativ schnell wieder ändern.

Am Ende waren es noch vier Leute, die dringend ihr Bedürfnis nach lauter Plastik-Musik und hektischer Bewegung stillen mussten und wie es der Zufall so wollte, sind wir in unserem Lieblingsclub gelandet, der diesen Status allerdings auch in erster Linie noch zu der Zeit hatte, als wir dorthin laufen konnten und noch ein ganzes Stück jünger waren als jetzt – und da waren wir dort auch schon ziemlich alt. Und auch am Samstag haben wir den Altersdurchschnitt des wenigen, aber durchweg guten Publikums mal direkt um 10 Jahre angehoben. Zumindest zwei von uns hatten die beste Party seit wirklich langer Zeit, bei den anderen beiden kann ich es nicht so richtig beurteilen, allerdings weiß ich, dass ich unseren „Aufpasser“ (eigentlich ist er gleichberechtigt, aber an diesem Abend haben wir ihn zu unserem Bodyguard erklärt – danke nochmal, Daniel!!) eigentlich noch nie so viel habe feiern sehen. Der DJ war der allererste überhaupt, der in meiner mittlerweile 15 Jahre langen Partyzeit hinterher ein aufrichtiges und wirklichwirklich ernst gemeintes DANKE von mir gesagt bekommen hat und ich habe ungefähr 80% der Zeit, die wir dort waren, wie bekloppt tanzend direkt vor einer Box vor dem DJ-Pult verbracht, was auch nicht ganz klassisch für mich ist. Eine Stunde lang haben wir versucht, nach Hause zu gehen, was uns aufgrund der Laune und der Musik, die sich durch wahnsinnige Höhenflüge und ideal platzierte Runterkomm-Phasen ausgezeichnet hat, einfach nicht gelingen wollte.

Heute tut mir alles weh, ich bin fix und fertig und muss mich wirklich zusammenreißen, um mich nicht immer und immer wieder zu fragen, wieso in aller Welt ich mir heute nicht frei genommen habe. Wieder ein brutaler Beweis mehr dafür, dass ich kein kleines, sondern ein altes Ravemädchen bin – was aber insgesamt drei Beteiligten von uns schon am Sonntag Morgen von unserem offenbar Duracell-getriebenen 25-Jahre-Hüpfer schon ziemlich deprimierend vorgeführt wurde. ;-)

Der Abend war auch ein Stückweit ein Experiment, da sich nicht jeder kannte, in einem Fall war es sogar so, dass selbst ich eine Anwesende ausschließlich gelesen oder gesprochen, jedoch noch nie gesehen habe. Und es hat so sensationell gut gepasst, nicht ein Mensch stand in irgendeiner Sekunde alleine da und wusste nicht, mit wem er sich unterhalten soll, nirgendwo gab es irgendwelche Ecken, wo dermaßen unterschiedliche Charaktere aufeinander geprallt sind, dass ich auch nur irgendein Hinzuziehen einer Person hätte bereuen müssen, der Abend war – für mich zumindest – PERFEKT. Und ich glaube ich müsste mich wirklich schwer täuschen, wenn ich denken würde, dass ihr alle nicht auch so einen Spaß gehabt habt, wie ich.

Und wie sag ich es jetzt bloß? DANKE.

Danke für einen der großartigesten Abende, die ich seit langer Zeit gehabt habe, danke, dass ihr euch alle kein Stück verändert habt und immer noch die gleichen, fantastischen Persönlichkeiten seid, die ihr immer wart und danke, dass ihr mein Leben bereichert. Ihr seid echt die tollsten Freunde, die man sich wünschen kann!

@ DJ Lab:  You made my day! Thanks a bunch for the great night at Hotel Shanghai, your music was fucking awesome and I cannot remember the last party I rocked that much!

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5 Kommentare on “Altes Ravemädchen”

  1. FrauLehmann sagt:

    Nothing to add! THANKS!!! :-)

  2. Das scheint ein richtig genialer Abend gewesen zu sein :-)

  3. Miss Sabu sagt:

    an alle, die dabei waren: ihr wart großartig- ich habe unglaublich viel spaß gehabt, eine menge getanzt, neue und alte freunde getroffen. danke! ich freu mich, dass ich ein teil des abends sein durfte!
    @vizekönigin: besser hätte man den abend nicht beschreiben können!!!
    @fraulehmann: es war toll, dass ich dich kennengelernt habe. so in echt und live!
    @markus jakobs: du sagst es!

    :-)

  4. Miss Sabu sagt:

    @vizekönigin: matthew dear: dog days!!! :-)

  5. …wow. das muss ja wirklich gekracht haben :) *freuitsichmit.

    jetzt bin ich gespannt auf den JGA- Bericht von Dominik :)


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