Low Kotz-Airlines

Von Billigfliegern, die sich auch als solche bezeichnen, muss man ja vielleicht nicht sooo viel erwarten. Aber wenn man halbwegs regelmäßig mit einer solchen Airline fliegt und dort einen ähnlich guten Service bekommt wie in einer teureren, oder mit einer normalerweise teuren zum Preis einer Low Cost-Airline fliegt, ist man ja ganz gerne guter Dinge. Im Bezug auf alles, wobei es schon beim Buchen wirklich große Unterschiede zwischen Billig A und Billig B gibt.

Nehmen wir Air Berlin: bucht man die Flüge früh genug (das kann auch eine Woche vor Abflug sein), kommt man günstiger weg als mit der Deutschen Bahn. Schneller sowieso. Startflughafen und Ziel aussuchen, gewünschte Flugzeiten wählen, Flugpreis so wie er auf dem Bildschirm steht bezahlen, vielleicht noch die fragwürdigen 10 € für die Kreditkartenzahlung drauf legen und gut. 6 Kilo Handgepäck, 20 Kilo im Kofferraum, Check-in am Flughafen oder online, wie man will. Einsteigen, hinsetzen, je nach Fluglänge entweder was zu essen oder einen Snack und in jedem Fall auf Anfrage etwas zu trinken bekommen. UMSONST. So ähnlich lief es auch bei meinem letzten HLX-Flug, der ist aber schon so lange her, keine Ahnung, ob das noch so ist.

Bei German Wings sieht das schon etwas anders aus: bis zur Bezahlung der gleiche Prozess, vorher aber schon mal über die erstaunlich hohen Steuern und Gebühren wundern (sind das nicht die gleichen, wie Air Berlin sie auch zu zahlen hat??) und dann gehts los: Gepäckzuschlag pro Gepäckstück (bis zu 5 sind möglich – bei 20 Kilo kostenloser Gepäckobergrenze??)) UND pro Strecke 5 €. Sitzplatzreservierung 5 € (immerhin: man kann mittlerweile auf zugeteilten Plätzen sitzen und muss sich nicht zu zweit drei Stunden vorm Boarding um zusammenhängende Plätze prügeln, war auch schon mal anders). Dann eventuell nochmal 8 € Zuschlag für die Kreditkarte. Hinfahren, einchecken, einsteigen, hinsetzen, im besten Fall amüsiert den Flug hinter sich bringen (die Damen und Herren Luftfahrtservicekräfte bei GW müssen vertragsbedingt witzig und unterhaltend sein, glaube ich – so wie bei HLX), wenn Hunger oder Durst aufkommt: Portemonnaie raus und zahlen. Viel zahlen. Aber man könnte sich ja auch Schnittchen mit reinnehmen oder vor dem Boarden etwas kaufen – nach der Sicherheitskontrolle, versteht sich.

Und dann gibt es noch Ryan Air.

Bislang von mir großzügig aus sämtlichen Reiseplanungen herausgehalten, musste ich dann letzte Woche doch mal auf die britische Pest mit IKEA-CI zurückgreifen. Bei der Buchung gibt es eigentlich nichts, wofür man nicht extra zahlen muss: Kreditkartenzahlung, ZWANZIG Euro pro Gepäckstück. Und es wäre ja zu einfach, wenn zwei dann vierzig und drei (Höchstgrenze) 60 € kosten würden, nein: 60 für 2 und 100 für 3. Nebenbei bemerkt darf man hier ganze 15 Kilo mitnehmen. Eine Info, die mir sicherlich irgendwo angezeigt wurde, die ich aber offenbar ziemlich schnell wieder verdrängt habe. Zum Zeitpunkt meiner Buchung habe ich noch den Online Check-In dazugebucht für 10 € pro Person (weil der am Flughafen 20 oder 30 gekostet hätte), der ist mittlerweile aber kostenlos. Will man lieber offline einchecken, kostet das 40 € pro Nase. Das interessante ist, dass man damit weder sich noch Ryan Air Zeit spart, wenn man ein Gepäckstück aufgibt, weil das ja – richtig, aufgegeben werden muss. Und der Typ hinter dem Desk macht genau das Gleiche, was der Mitarbeiter von Singapore Air nach Vorlage eines 1000 €-Tickets macht.

Nun habe ich wie gesagt unseren einen Koffer nach Air Berlin-Maßstäben gepackt und bin auf knapp 19 Kilo gekommen, was unweigerlich zur Folge hatte, dass wir einen Teil unserer Klamotten und einen großen Teil unseres mobilen Drogeriemarktes wieder auspacken und zum Auto zurückbringen mussten. Ins Handgepäck gehen zwar 10 Kilo rein, aber auch nur auf einen relativ beschränkten Platz. Und „Es gibt kein weiteres Handgepäckstück für Passagiere, die einen weiteren Sitzplatz gebucht haben“. Wieso auch, das wäre im Fall von zwei gebuchten Plätzen in Normalgepäck umgerechnet ja sogar mehr als kostenlos erlaubt.

Irgendwann steigt man dann ein, zeigt zum hundertsten Mal den ausgedruckten und mittlerweile fast zerstörten Zettel, den sie Boardkarte nennen (und den man garantiert nicht sofort griffbereit hat, ein Flieger ist keine schließlich VIP-Area), lässt ihn abzeichnen, kämpft um zwei Sitzplätze und muss sich dabei noch anmaulen lassen, dass das bitte schneller gehen soll, weil der Flieger sonst 30 Minuten bis zur nächsten Starterlaubnis warten muss. Schön vor allem, wenn man schon eine Viertelstunde zu spät im Flieger akommt, weil kein Mitglied des Ground Staffs Bock hatte, die Passagierschlange mit ihrem Gepäck schon eine Stunde vor dem Boarding abzufertigen. Man glaubt, nach der lustlosen Vorführung der Sicherheitshinweise hätte man jetzt eine Stunde Ruhe, um ein wenig zu schlafen – schön wärs. Direkt im Anschluss wird nämlich erstmal die KOMPLETTE Karte, auf der man sitzt oder die Füße parkt, weil die Rückenlehne vor einem selbst kein Netz hat, vorgelesen. Vom Hotdog über die Pizza bis hin zu den Cookies wird so gut wie alles vorgelesen, was einen Preis hat – mit diesem natürlich. Danach bekommt man einen entspannten Flug gewünscht und freut sich über etwas Ruhe. Ungefähr 2 Minuten, dann werden die Rubbellose für zwei Euro verkauft, anschließend noch Telefonkarten und die Info, dass die Nutzung eines Mobiltelefons solange erlaubt ist, wie die grüne Lampe genau das anzeigt. Das ganze einseitige Verkaufsgespräch von der ersten Sekunde an auf zwei Sprachen und in einer Lautstärke, die die Turbinen neben der dünnen Wand, neben der man sitzt, übertönt.

Wenn man diesen Höllentrip (inklusiver in unserem Fall wirklich abenteuerlicher Landung, aber das kann auch einem Lufthansa-Piloten passieren) überstanden hat und im Regen aussteigt, kann man ganz sicher damit rechnen, dass der eigene Koffer geflutet auf dem Gepäckband landet. Alles im Koffer nass. Wäre ja auch zu viel verlangt, eine Folie über den Kofferwagen zu legen, für die mit 300 Metern zugegebenermaßen kurze Strecke vom Flieger zum Band, aber bei Starkregen, so richtig mit Unwetterwarnung und so…

Es ist ja nun nicht so, als ob wir für 5 € pro Person geflogen wären und uns deswegen nicht zu beschweren hätten. Der Flug hat genauso viel gekostet wie mit der vergleichsweise hochwertigen German Wings, nur dass wir hinterher nicht noch 120 KM vom Flughafen nach Hause fahren mussten. Nichtsdestotrotz war das mein erstes und letztes Mal mit dieser Kirmeskiste, die nebenbei bemerkt für einen Menschen mit Flugangst das reinste Himmelfahrtskommando sein muss – plötzlich sind die Schwimmwesten nämlich irgendwo oben und nicht unterm Sitz, wie soll man die finden? Bei einem reinen Überlandflug zwar eher weniger relevant, aber das will ein panischer Mensch ja nicht hören. Der Liebste ist nach der Landung auf dem Hinflug (aufsetzen, hochgehen, irgendwaswiedurchstarten, aufsetzen, viel zu viel Tempo drauf, Vollbremsung) wieder in seinen Ursprungs-Angstzustand unseres Kennenlernens zurückversetzt worden, die ganze Arbeit der letzten Flüge für die Katz – er will nächstes Jahr mit dem Auto nach Thailand fahren. Und ich fahr in Zukunft wenn es sein muss auch 300 KM nach Hause oder zahle einfach etwas mehr (oder weniger, kommt drauf an) und komme entspannt und nicht genervt an.

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7 Kommentare on “Low Kotz-Airlines”

  1. mareilu sagt:

    absolut treffend und hammer lustig beschrieben – hab da keine besseren erfahrungen gemacht ;-))))

  2. schuehsch sagt:

    Mit dem Auto nach Thailand. Okok. *lach*

  3. kittynn sagt:

    Ich bin zweimal mit denen geflogen und hatte keine Probleme. (War aber auch nur für ein paar Tage weg und hatte nur Handgepäck)

  4. Thomiez sagt:

    Hehe, danke für den ausführlichen Bericht. Wenns für euch nicht so bitter gewesen wäre, würde ich sagen ich hab mich amüsiert. :-) Fest steht auf jeden Fall, welche Airline ich jetzt nicht unbedingt noch austesten muss.

  5. FrauLehmann sagt:

    Owé, da kann man nur hoffen, dass diese Fluggesellschaft seine Kunden bald nicht mehr quält und sie vielleicht bald wie diese Vögel runterkommen: Sterling?!

  6. Addliss sagt:

    Danke für die Warnung, aber ich wollte mich sowieso von Ryanair fernhalten. Ich fliege demnächst nämlich vielleicht zum ersten Mal – aber wirklich Angst habe ich davor nicht! Ich will nur ebenfalls nicht genervt ankommen.

  7. miezhaus sagt:

    Fernbeziehungsbedingt nutze ich regelmäßig Germanwings, sie sind die günstigste Gesellschaft auf dieser Strecke. Glücklicherweise immer nur mit Handgepäck und online Check-in, so muss ich am Flughafen einfach nur durch die Security.
    Ich bin alles in allem recht zufrieden, obwohl es zum Flug keine feste Nahrung geschenkt gibt. Alkohol ist auch kostenpflichtig – im Gegensatz zu den Softdrinks, die sind für umme.

    Ich bin hoffentlich nur zweimal mit Ryan Air geflogen, das erste und das letzte Mal! Also so ein beschissener Service und diese ganze Buchungsabzocke (die wohl mittlerweile noch schlimmer geworden ist) sind echt unterirdisch. Und jetzt berechnen die wohl auch Klogänge im Flieger bzw. haben darüber nachgedacht. Passt ins Bild. Keine Ahnung, wie lange die noch so weiter machen wollen, aber ich denke nicht, dass sie auf diese Art und Weise zukunftsfähig sind.


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