Drei, vier, Tip, zusammentanzen, Tip

Done. Der Liebste und ich kommen gerade bronzefarben aus der Tanzschule und haben den dritten Kurs auch hinter uns gebracht. Eigentlich hätten wir direkt nach dem Anfängerkurs, den wir nur wegen unserer Hochzeit belegt haben, wieder aufhören können, aber man hat hier ja sonst nix zu tun und deswegen haben wir schön brav jeden Kurs, der sich uns geboten hat, mitgemacht. Erst Anfänger, dann Fortgeschritten, dann Bronze, als nächstes Silber, dann Gold, Supergold und ab dann treffen wir uns wahrscheinlich mit den ganzen Deppen hier jeden Sonntag zum Tanztee.

Bis heute haben wir es geschafft, zu keiner der seltsamen Tanzparties oder Bälle zu gehen. Das wird sich auch sicherlich nicht ändern, mehr als einen Abend in der Woche muss ich diese Menschen, die zu 50% keinen Bock haben und zu 50% total verbissen sind, nicht sehen. Geredet haben wir mit dem Fred Astaire-Nachwuchs auch noch nicht mehr als einen geraden Satz, was nebenbei bemerkt nicht an unserem Unwillen liegt, sondern daran, dass Menschen ohne badischen Dialekt hier einfach nicht dazu gehören. Und das merkt man eben nach einem Satz.

Besonders ins Herz geschlossen in diesem Kurs habe ich den Sechser-Pärchen-Swingerclub, der meistens aber nur zu viert auftaucht. Wann immer unser – allerdings sehr cooler – Tanzlehrer eine Dame zum zeigen braucht: eine von den beiden ist immer da. Ganz sicher. Wären sie heute Schüler einer 6. Klasse egal welcher Schule – sie würden von den coolen Kindern fertig gemacht werden. Spiegelstreber der allerfeinsten Sorte, ich weiß nur nicht, was sie immer im Spiegel sehen, was sie so sicher macht. Ihre Agilität ist es jedenfalls nicht, aber sie wissen auf jeden Fall, wann welcher Schritt gemacht werden muss. In den Pausen beruhigen Sie ihre Atmung, trinken Wein und quatschen den Lehrer voll; stellen ernstgemeinte Fragen á la „Woran merke ich als Frau denn, dass da eine Promenade kommt?“ Nicht, dass er das nicht vorher 1.5 Stunden lang erklärt und den 15 übrigen an ausgerechnet der Fragenstellerin demonstriert hätte. Dieses Quartett Terrible tauscht auch regelmäßig untereinander die Partner, damit man sich gar nicht erst an den eigenen gewöhnt. Macht unheimlich viel Sinn, sich alle 30 Minuten auf eine neue Schrittlänge einzustellen, aber nun – beim Weihnachtsball reißen sie sicherlich auch irgendwelchen arglosen Frauen deren Tanzpartner aus der Hand – macht man ja so. Vielleicht liegts aber auch daran, dass einer der Herren, der aus mir unerklärlichen Gründen immer neben uns tanzt, offenbar eine Deodorant-Allergie zu haben scheint, was die Gesamtsituation in einem Kellerraum ohne Abluft immer etwas anstrengend macht.

Im Übrigen sind wir die einzigen, die darüber lachen, wenn sie sich vertanzt haben. Und je nach Tanz passiert das sehr häufig, dieser Disco Fox und ich – das passt einfach nicht. Und wir lachen laut, ja, ich würde sogar sagen, wir kringeln uns manchmal vor lachen. Das findet abgesehen von unserem Tanzlehrer eigentlich niemand witzig, eher nervig. Bei den anderen läuft das auch meistens nonverbal über angedeutete Handgelenksfrakturen ab, die schon mal bei einem Wutausbruch entstehen können.

Der Liebste und ich haben zu allem Unglück auch noch etwas unterschiedliche Präferenzen – er der feurige Latino, dem kein lateinamerikanischer Tanz zu kompliziert ist. Gut, erklären wir jetzt mal der Einfachheit halber Samba zu Standard. Ich, die laaaangweilige Standard-Tante, die lieber aufrecht und auf Tuchfühlung tanzt und dabei große Schritte, ausladende Drehungen und weniger Cha Cha Cha macht. Mambo jetzt mal außen vor. Dieses Ungleichgewicht kollidiert vor allem beim Disco-Kotz, den ich schon nach zwei Takten boykottiere und mich absichtlich dumm anstelle, während er sich in seine Salsa-Zeiten zurückversetzt sieht und richtig aufdreht.

Nun gut. Jetzt haben wir Pause. Bis Januar. Mal gucken, wer uns dann unsere Freizeit hier versüßt.

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5 Kommentare on “Drei, vier, Tip, zusammentanzen, Tip”

  1. bemme51 sagt:

    was hab ich mich da immer gut gedrückt vor…. nicht auszudenken. dann lieber augen zu und zwischen basswellen einfach sein… geschehen lassen. wie unterschiedlich „tanzen“ doch sein kann…

  2. Curi0us sagt:

    Hmm, also Discofox ist ja so ungefähr der Tanz, den (bei mir damals jedenfalls) eigentlich alle hassten.
    Wobei ich dafür die Tanzschule seinerzeit auch freiwillig außerhalb der Kurse besucht habe. Ich war jung, und die anderen waren eigentlich – teilweise – ganz okay. Trotzdem sind da keine Kontakte von hängengeblieben. Sagt ja auch was.

    Aber hey, Tanzen ist doch großer Spaß – und lachen sollte man dabei auch können. :-D was hab ich mich böse hingepackt. Damals. Hach.

    viel Spaß, weiterhin!

  3. vizekönigin sagt:

    @ bemme: ich hab mich auch sehr erfolgreich gedrückt und später „das andere“ vorgezogen. aber eigentlich war ja mal ein wiener walzer zur eröffnung getanzt, das geht nur bis zu einer gewissen bpm-zahl..

    @ Curious: danke, den haben wir! bei uns ist discofox übrigens DER heiße scheiß schlechthin, alle finden es total geil. nur ich nicht. ich komm mir immer vor wie in einer seniorendisco..

  4. Curi0us sagt:

    @vizekönigin vielleicht differenziert sich die Menschheit einfach in diejenigen, die Discofox mögen, und die anderen. Wäre ein Ansatz ;-)

  5. signorina sagt:

    Unser Vorsatz nachdem Tanz-Crashkurs zur Hochzeit war ja, dass wir mit dem Tanzen weiter machen… Doch leider haben wir es bisher nicht geschafft! Aber was ja nicht ist, kann ja noch werden… ;)
    Da unser Hochzeits-Tanzkurs nur 2mal 2.5 Stunden betrug konnten wir dort leider nicht so genaue Beobachtungen betr. den anderen Tanzpaaren machen, dafür war der Kurs leider zu kurz! Aber ich liebe es auch andere Leute/Paare zu beobachten und zu analysieren! ;)


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