Time for a revolution

Mein iPhone ist kaputt. Mein heißgeliebtes iPhone. Es hat immer schon Schwierigkeiten gemacht, da es eins der Modelle war, die offenbar schon mit einem leichten Hau ausgeliefert und anschließend von mir noch mit einem Jailbreak gequält worden sind. Probleme gab es eigentlich ständig, ob es nun regelmäßige Abstürze jedweder Couleur oder Generalstreiks gewesen sind. Aber ich habe es trotzdem gern gehabt. Ich habe sogar das Nexus One, das ich von Google zwecks Glaubenskonvertierung geschenkt bekommen habe und welches in vielerlei Hinsicht besser war als das iPhone, wieder abgegeben und mein krankes Teil dem gesunden, nagelneuen vorgezogen.

Dann ist es mir vor 3 Wochen aus 1.50 m Höhe und mit relativ hohem Tempo heruntergefallen und dieses Mal ziemlich blöd aufgekommen. Glas kaputt, mit einer Folie ließ sich das aber fixieren und es hat noch genauso gefunzt wie vorher. Zumindest eine Woche lang. Dann hat es sich aufgehangen und 5 Anläufe gebraucht,  um wieder zu starten. Einen Tag später das gleiche Szenario, nur ohne Neustart – bis heute.

Ich muss mir also ein neues Telefon kaufen. In diesen Planungsprozess fiel auch noch der Release des iPhone 4. Technisch das ÜBER-iPhone und designerisch – ich fands zum Entsetzen der anderen Apple-gestörten um mich herum ziemlich geil, als gizmodo es gezeigt hat. Mittlerweile habe ich mich entschieden und mir ein neues Smartphone bestellt. Ich habe lange und viel überlegt, gesucht, recherchiert und mich dann entschieden: gegen ein iPhone.

Mein neues Telefon wird ein Samsung Galaxy S sein. Warum? Weil ich es leid bin. Ich habe es satt, mir von einem Unternehmen, das mich nicht bezahlt, vorschreiben zu lassen, mit welchem Mobilfunkanbieter ich telefonieren darf, ich möchte nicht mehr Blut und Wasser schwitzen, wenn ich einen Jailbreak mache und mich anschließend über die Performance eines Hochleistungssmartphones ärgern und ich bin vor allem nicht bereit, dermaßen viel Kohle für ein Smartphone zu bezahlen. Über 1000 € ohne Vertrag oder in meinem Fall 500 € für eine vorzeitige Vertragsverlängerung und Kaufpreis plus noch mal die monatlichen Kosten in Höhe von insgesamt 600 €, die ich der Telekom auch weiterhin nicht in den Rachen werfen will, weil ich woanders gut telefoniere und surfe. Klar, ich könnte natürlich auch nach Paris fahren oder nach London fliegen, einen Wochenendtrip draus machen, mich vor Ort mit wildfremden Menschen prügeln und mit etwas Glück „nur“ 600 € für das Teil zahlen. Die grob geschätzt 300-500 €, die der ganze Trip dann aber sonst noch so mit sich bringt, sind da noch nicht mit drin. Ich würde nicht alleine hin wollen und nur für ein Telefon schon gar nicht, also wenn man schon mal da ist..

In erster Linie ist die Entscheidung für das Galaxy eher eine Entscheidung gegen Apple. Ich bin sicherlich Apple-Fangirl, aber das hält sich in Grenzen – ich muss nicht jedes Gadget haben, was Steve Jobs auf den Markt wirft, nur weil es irgendwie geil ist. Auch wenn meine Rechner bis ans Ende meines Lebens immer Macs sein werden und meine mp3-Player immer iPods. ;-) In unserem Haushalt gibt es zwei Macbooks, ein Macbook Pro, ein kaputtes, ein funktionierendes iPhone, 5 iPods, diversen Apple-Kleinkram, den ich jetzt nicht aufzählen will und ich spiele schon wirklich lange mit dem Gedanken, uns ein wirklich großes Cinema-Display auf den Tisch zu stellen. Auch das habe ich bisher aus Vernunfts- und Kostengründen nicht getan, aber durch bin ich damit trotzdem nicht. Ich habe gerade lieber gar kein Extra-Display, als kein Cinema. Ein iPad will ich nicht, mein Mann schon. Bei dem iPhone musste ich jetzt aber einen Punkt machen.

Man muss sich einfach mal kurz überlegen, was 1000 € so an Wert sind:

  • Ein Auto für einen Fahranfänger
  • Eine relativ üppige Mittelstrecke-Urlaubsreise für eine Einzelperson (man kann für 1000 € sogar für 2 Wochen nach Thailand, mit Flugzeug, Dach überm Kopf und ohne Hungertod)
  • Eine Pauschalreise für zwei Personen an ein einen Pauschalreise-Ort
  • Ein wirklich solides, gutes Mountainbike
  • Eine zeitlose „Für immer“-Handtasche, vielleicht auch zwei
  • Ein sehr großer Flachbildfernseher
  • undsoweiter

Mir ist klar, dass alles, was ich da aufgezählt habe, auch nur Luxuskram ist, den eigentlich kein Mensch braucht. Deswegen hinkt der Vergleich auch etwas. Aber wenn man sich das vielleicht mal so vor Augen führt:

  • 2.5 Monate Arbeitslohn für eine 400 €-Arbeitskraft
  • Ein Monat Gehalt für jemanden, der nicht besonders viel Geld verdient (wir gehen jetzt mal von einem Studenten aus)
  • 2 Monate Miete in unserer Wohnung – warm und inklusive Strom, Gas und Internet, gute Wohnlage mit Top-Aussicht, Balkon und 90 m2

..sind 1000 € für ein Telefon schon ziemlich wahnsinnig.

Und ganz ehrlich: SO viel schlechter kann das Galaxy nicht sein. Man muss das alles mal in einer Relation sehen, die der Realität entspricht. Gut, es ist Android und nicht iOs, muss man mögen oder sich mit arrangieren. Sicherlich kann man darüber diskutieren, ob ein LED-Blitzlicht nun must have ist oder nicht. Ich persönlich habe bisher so gut wie noch nie ein Foto aus einem Telefon gesehen, bei dem ein Blitz eingesetzt wurde und dessen Ergebnis gut aussieht. Es ist nun mal ein Telefon und keine DSLR. Das Display – ja, RETINA ist toll und hat auch ein paar Pixel mehr als das Super AMOLED. Aber es verbraucht auch unverhältnismäßig viel mehr Strom. Und dass ein iPhone von einer cooleren Zielgruppe benutzt wird, als ein Samsung, welches in einem viel riesigeren Massenmarkt mitspielt, ist nach 2.5 Jahren und 50 Millionen verkaufen iPhones auch nur noch Wunschdenken. Jeder Idiot hat ein iPhone, genauso wie jeder Idiot ein Samsung oder ein HTC haben wird – jeder Idiot, der etwas mehr will, als telefonieren, hat ein SMARTPHONE. Jeder Idiot, der nur telefonieren, etwas surfen, arbeiten und nicht superviel, sondern etwas weniger Spaß haben will, hat ein Nokia oder ein Blackberry. Wir sind alle Idioten.

Wie gesagt – das Verhältnis zählt: das Galaxy S kostet im schlimmsten Fall 500 €, ohne Netlock, ohne Vertrag. Das iPhone 1000. Die technischen Unterschiede sind vielleicht vorhanden, ja, aber sie sind zu marginal, wenn man sie mit dem Preis von NOCH einem Galaxy S, sprich der Differenz, aufwiegt. Ich zahle übrigens nur 400 und KÖNNTE für die Differenz mit meinem Gatten noch mal ne Woche Tauchurlaub in Ägypten in einem 5 Sterne-Hotel hinterher schieben. Für uns beide!

Ganz ehrlich, ich freue mich auf mein neues Device. Es ist ja auch cool, ich habs als Prototyp in der Hand gehabt und fand es toll. Ich hab es im Vorfeld schon verteidigt, das Telefon, wie auch mich. Die Apple-Fanboys und -girls um mich herum, die mich bei der Verlautbarung meiner Pläne angesehen haben, als wenn ich jetzt vollkommen durchgedreht und nicht mehr zurechnungsfähig wäre, können meiner Argumentation zwar folgen, aber irgendwie auch nicht. Natürlich laufe ich auch am T-Punkt vorbei und überlege, ob ich reingehen und es mir ansehen soll, es ist ja nicht so, als ob Rationalität bei allem hilft. Aber ich tue es nicht. Ich fange nämlich gerade an, mein Stockholm-Syndrom zu behandeln. Ganz von alleine.

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5 Kommentare on “Time for a revolution”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Vizekönigin and Stefan Pfeiffer. Stefan Pfeiffer said: Lossagung vom Apple-Stockholm-Syndrom….sehr gut! http://goo.gl/pyIh (via @vizekoenigin) […]

  2. OliverG sagt:

    Willkommen bei den Andoiden…

  3. vizekönigin sagt:

    danke, oliver – seit heute wieder am start! :)

  4. bemme51 sagt:

    hm. ick weiss bei dir ohne ein smartes geht wahrscheinlich nich. job und so. aber ick hab nen wetterfesten gummiknochen. telefoniert, smst und machtn bissl wap. für mehr hätte ich auch gar keine zeit…

    trotzdem schön mal zu sehen dasses auch ohne diese hypemaschine geht…

  5. […] Smartphone und ich, die Neverendingstory. Nachdem ich mir aus diversen Gründen kein iPhone 4, sondern ein Samsung Galaxy geholt habe und stolz wie Bolle war, dass ich endlich mal […]


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