Fremde Galaxien

Achja, mein neues Telefon und ich. Mir gehts gut, dem Telefon auch, ich bin zufrieden. Sehr sogar. Nicht 100%ig, aber zumindest… Sagen wir mal 97%ig. Das Galaxy S ist in meinen Augen sehr wohl eine iPhone-Konkurrenz und dieses ganze Blabla, was man im Vorfeld lesen musste, halte ich für maßlos überzogen. Um mal auf die Hauptkritikpunkte einzugehen:

Kein Blitz: richtig. Für mich aber auch unnötig, dafür hab ich eine richtige Kamera. Gut, für Videos wäre es vielleicht nicht verkehrt, eine externe Mini-Extra-Lichtquelle zugreifen zu können, aber man kann halt auch nicht alles haben.

Display: jaja, man kann rumnölen, dass das Super AMOLED ein paar Punkte geringere Auflösung hat als das RETINA-Display, hat es halt. Haben um genau zu sein alle. Und man kann weiter heulen, weil die Auflösung im iPhone höher ist als im Galaxy. Aber das ist ja wohl auch normal, wenn man ein paar Punkte mehr in ein paar Quadratmillimeter weniger reinstopft.

Plastikdeckel: fand ich anfangs auch etwas merkwürdig, zumal es ja beim Wave schon mit Alu funktioniert, aber dieser Anflug von Abneigung hat ziemlich genau 30 Sekunden gehalten. Zum einen hat mich das Telefon nach dem Einschalten anderweitig überzeugt, zum anderen muss man den Gehäusedeckel im Gesamtzusammenhang sehen. Wenn er so auf dem Tisch rumliegt, ist er sicherlich blöd, am Telefon fällt überhaupt nicht auf, dass es sich um einen Plastikdeckel handelt.

Allerdings habe ich ein paar Kritikpunkte an dem Telefon. Diese habe ich zwei Samsung-Ingenieuren zwar schon auf der Hochzeit meiner kleinen Schwester mitgeteilt, aber damit sie das auch nicht vergessen, hier noch mal:

Der Akku. Keine Ahnung, wie Chip.de & Co. darauf kommen, dass der Akku der ultimative Superhammer ist, ist er nämlich nicht. Ich telefoniere den ganzen Arbeitstag lang so gut wie gar nicht, surfe wenig, benutze mittelhäufig Apps, die eine Internetverbindung brauchen. Arbeite ich nicht, telefoniere ich ebenfalls nicht irrsinnig viel (sagen wir mal im Schnitt etwa 15 Minuten pro Tag), surfe mehr, benutze mehr Apps. Ich lade meinen Akku jeden Abend ab ca. 23 Uhr die ganze Nacht lang auf und nicht, weil ich es möchte, sondern weil ich es muss. Samstags und sonntags könnte ich schon ab dem späten Nachmittag damit anfangen, kann ich aber meistens nicht, da ich unterwegs bin. Und dann habe ich kein Telefon mehr.

GPS. Vielleicht habe ich wieder einmal das große Glück gehabt und mir ein Montagstelefon gekauft, aber wenn ich das Google-Navigationssystem bemühen möchte, dauert es immer mindestens 4 Minuten, bis ein GPS-Signal gefunden wird. Vollkommen egal, ob ich im tiefsten Schwarzwald oder mitten im Ruhrgebiet bin. Immer. Natürlich nicht, als ich es den beiden Samsungs vorführen wollte, ist klar. Aber davor und danach jedes Mal. Alle möglichen Einstellungen durchprobiert (auch mit professioneller Hilfe), es tut sich nichts. Eine Autofahrt kann dann schon mal im Chaos enden, so mit Navigation und ohne GPS-Signal. Kein GPS-Signal führt übrigens auch unmittelbar dazu, dass es äußerst müßig ist, Foursquare und Gowalla zu benutzen, da ich in der Regel erst beim nächsten Aufruf der Apps dort bin, wo ich vorher war. Wenn ihr mir folgen könnt.

Gelegentliches Einfrieren: kenne ich nur zu gut von meinem iPhone und wenn es nicht an mir liegt, vielleicht weil ich ein schlechtes Smartphone-Karma habe, muss es an der Überladenheit dieser technischen Wunderwerke liegen. Vielleicht hört das ja mit Android 2.2 auf, ich hoffe es. Auch wenn es längst nicht so oft vorkommt wie in meinem Leben vor Samsung und ich wegen vorher sehr leidensfähig bin: es nervt..

Apps und deren Performance: Gut, das ist jetzt nichts, was mich wirklich rasend machen könnte, meine Toleranzgrenze ist verhältnismäßig goßzügig bemessen. Ich finde es nur relativ abgefahren, dass ein und die selbe App unter ein und dem selben Betriebssystem bei zwei unterschiedlichen Endgeräten dermaßen unterschiedlich funktioniert.

Android Market: naja. Wird schon. Ich besinne mich halt erstmal darauf, damit nicht mehr der breiten Masse anzugehören und nicht Mainstream zu sein, dann kann ich zumindest mal drei bis vier Minuten länger ruhig bleiben, wenn ich irgendwas suche, nicht finde oder was kaufen muss.

Soviel zu meinem Rumgenöle. Was ich mag: die Kamera. Die Haptik (jaahaa, auch mit Plastikdeckel). Den riesigen Bildschirm. Videos drehen. HSDPA. Das Tempo von allem, wenn alles funktioniert. Multitasking. Das Gewicht. Die Optik, auch wenn sie mir für meinen Geschmack zu sehr dem iPhone nachempfunden ist. Was nicht heißt, dass ich das hässlich finde, sondern dass man sich da eventuell auch ein bisschen mehr was eigenes hätte einfallen lassen können. Aber ich mag sie trotzdem. Den „intelligenten Wecker“, den ich mir für mein iPhone für relativ viel Geld kaufen musste. Ist hier ein Feature der Uhr. Die Größe – mag sein, dass andere es zu groß finden, aber wenn ich den Browser auf habe, möchte ich gerne viel sehen. Mehr Speicherplatz reinstecken können. Die Akustik und das Display.

Alles in allem hab ich mich in Sachen Smartphone von meinem Stockholmsyndrom bislang sehr gut heilen können. Ich habe zwar erst gestern das iPhone 4 in der Hand unseres Geschäftsführers gesehen, einen ganzganz leisen Anflug von Ichweißnichtwas verspürt, aber das war auch ruckzuck wieder vorbei. Das Galaxy S ist durch und durch ein gelungenes Smartphone und ich kann es ganz klar weiterempfehlen. Hab ich auch schon.

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10 Kommentare on “Fremde Galaxien”

  1. emzo sagt:

    Also ich bin den Android-Geräten ja wirklich nicht abgeneigt, aber eine Beigeisterung, wie sie von iPhone-Besitzern erlebt wird, bringen die dann am Ende doch nicht. Wenn auch nur kleine, aber doch einige Abstriche, die du da machst. Trotzdem: Halte durch! =)

  2. vizekönigin sagt:

    Ich weiß, was du meinst, aber ich hab auch ehrlich gesagt keine Ahnung, wo das her kommt. Die Mega-Hysterie hat natürlich auch immer was mit der Masse zu tun – und mit dem Marketing. Kann mich noch zu gut daran erinnern, dass ich total aus dem Häuschen war, als ich mein iPhone bekommen habe, jetzt ist das schon alles etwas sachlicher. Aber deswegen nicht schlechter. :)

  3. OliverG sagt:

    HM, also ich bin mit meinem Nexus One sehr happy. Und du solltest mal meine begeistertung sehen, wenn ich for free turn by turn Voice-Navi habe.

    Gut, der Akku ist schnell leer. Liegt bei mir aber auch am Entspannnungsdaddeln.

  4. Dennis sagt:

    Da ist es wieder. Ich mag Computer. Ich bin seit Jahren überzeugter Linuxer, beschäftige mich mit Webdesign, Programmierung, freier Software, besitze ein MacBook Pro. Ich lese stundenlang in Fachbüchern und -zeitschriften. Ich mag sie wirklich.

    Nur bei Handys habe ich irgendwann in den letzten 10 Jahren den Anschluss verpasst. Alle zwei Jahre, wenn die Verlängerung meines Vertrages mit einem neuen Handy für umsonst einhergeht, sitze ich verzweifelt vor den Featurelisten der angebotenen Modelle – und scheitere schon am bloßen Verständnis von 70% der Funktionen der Geräte; vom Sinn und Unsinn derselben fange ich gar nicht erst an.

    Wann hat das eigentlich angefangen, dass das Telefonieren – in meiner Jugend Sinn und Zweck eines Telefons – zu einem angenehmen Nebeneffekt stylischer Taschencomputer wurde? Wann wurde es uncool, sich auf das Kochen durch Lektüre eines Kochbuchs vorzubereiten, statt sein Smartphone zu zücken und sich nebenbei die Einkaufsliste, den Preisvergleich örtlicher Supermärkte und Fuß-, Fahrrad-, ÖPNV- und Auto-Route zum Günstigsten per „App“ zusammenstellen zu lassen, während man über einen mobilen IM-Client seine Angebetete zum Abendessen einlädt und ihre Einwilligung per Twitter schadenfroh unter seinen Nebenbuhlern bekannt macht?

    Wenn es um Mobiltelefone geht, fühle ich mich immer schlagartig sehr, sehr alt… :-(

  5. vizekönigin sagt:

    @Oliver: Weiß nicht, ob das alles zu negativ klingt, aber ich bin auch happy! Für die Probleme, die ich hab, gibts sicherlich eine Lösung: Zusatzakku, mehr Ladekabel, Android-Update, GPS-Reparatur – bin da ja pragmatisch. Aber: ich daddle nicht. daran kann es also nicht liegen..

    @Dennis: eigentlich solltest du froh sein, dass es so ist. ;-) Im Ernst, ich bin dahingehend aktuell sogar ziemlich müde. Habe das Teil zwar ständig in der Hand und gucke drauf, bin ja auch noch in der Entdeckerphase. Aber tatsächlich denke ich relativ oft an die zwei Wochen mit diesem Nokia-Ding von meiner Schwester, mit dem ich wirklich nur telefonieren konnte.

  6. […] Fremde Galaxien « Vizekönigin Vizekönigin von ANdoiden entführt *g*: "Das Galaxy S ist durch und durch ein gelungenes Smartphone und ich kann es ganz klar weiterempfehlen. Hab ich auch schon." (tags: galaxy samsung S android) […]

  7. mbpresents sagt:

    ich bin ja erstaunt, das du dich gegen ein iphone für ein anderes gerät entschieden hast!
    wie kommt das? hast du dazu auch einen eintrag geschrieben? bin echt neugierig, da ich im letzten jahr nur mit apple fan boys and girls zu tun hatte und mich anstecken lassen habe ohne es mir leisten zu können..
    was doppelt frustrierend ist.
    letztes jahr habe ich mir ein nokia 5800 zugelegt und bin bei vielen funktionen genervt, weil sie hängen, kompliziert aufgebaut sind und was nicht alles.
    der wunsch nach einem iphone ist momentan riesengroß und ich wäre dankbar für ein relativierendes feedback :)
    my

  8. vizekönigin sagt:

    hey,

    ja, hab ich: https://vizekoenigin.wordpress.com/2010/07/02/time-for-a-revolution/

    da steht alles drin und da ich eigentlich auch fan girl bin, sollte das relativierend genug sein. nokia ist keine alternative, das ist wie bananen und blaubeeren zu vergleichen. es ist beides obst. :-) ok, das x9 soll ganz toll sein, aber das samsung wave ja auch und trotzdem bleibt immer der fade beigeschmack des komischen betriebssystems. für mich gab es nach meinem alten iphone nur zwei alternativen: das iphone 4 oder ein android-telefon und da würde ich auch weiterhin nicht von abrücken..

  9. mbpresents sagt:

    vielen dank für deine antwort, ich habe sie jetzt erst gesehen

    es ist schön, dass du noch immer zufrieden mit deinem samsung bist :)

    ich habe mich von meinem iphone wahn wieder eingekriegt. hauptsächlich, weil ich es mir sowieso nicht leisten könnte.

  10. […] den Strom geschwommen bin und anfangs auch wirklich unermüdlich die Fahne für das Android-Gerät hochgehalten habe, folgt nun so langsam aber sicher die Ernüchterung. Nein, nicht langsam, sondern recht […]


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