Kurze Unterbrechung – oder so.

6 Wochen. 6 Wochen können normal, besonders lang oder sehr kurz sein. Wartet man 6 Wochen lang auf irgendwas, können diese 6 Wochen sehr lang sein. Ist man 6 Wochen lang krank, ist man gefühlt schon extrem lange krank. Fährt man 6 Wochen lang in den Urlaub, ist es trotz der langen Zeit viel zu schnell vorbei.

Unterbricht man außerplanmäßig sein Lauftraining um 6 Wochen, ist das ziemlich scheiße.

Der feste Wille, einen, nein, den PARIS-Marathon zu laufen, war ja da und mit Anmeldung und Zahlung der Startgebühr ziemlich schnell untermauert. Bis dahin sollte es noch einen Halbmarathon geben, den wir eine Woche vor unserem Urlaub, sprich also vor der im schlimmsten Fall dreiwöchigen Pause laufen wollten. Kein Wettkampf, sondern die HM-Strecke durch unseren Stadtwald, bei Schnee, mit den extra fürs Wald-, Wiesen- und Wintertraining gekauften Trailschuhen, versteht sich. Mit normalem Profil läuft es sich ja nicht so gut auf Halbgefrorenem, is klar.

Angeblich habe ich während des gesamten HM-Trainings 13.070 Kalorien verbrannt, insgesamt bin ich 22h 6m 50s gelaufen. In 9 Wochen. Ich habe also knapp einen Tag von 63 nur mit Laufen verbracht, wenn man so will. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,81 km/h und einem Durchschnittstempo von 6m 15s/km, sprich also nur unwesentlich schneller als eine Schildkröte, aber darum gings ja auch nicht. Erstmal Kondition aufbauen, von nichts auf Marathontraining erschien mir eher ungesund.

Zwei Wochen vor Abflug dann die erste Krankheit, die Monsieur mit Antibiotika bekämpfen musste. Mein Wille, alleine 21.1 KM zu laufen, war bei –9 Grad auch eher nicht in die Kategorie “kaum zu bändigen” einzuordnen und eine Woche vor Abflug, eine Stunde nachdem Hund und ich dann doch mal tapfer alleine 10 KM übers Eis gerutscht sind, wurde ich von einem äußerst unangenehmen Virus heimgesucht, der mich drei Tage lang in unser Bad eingesperrt hat. Immerhin habe ich in den drei Tagen mehr abgenommen, als in den 9 Wochen vorher, hat ja auch was für sich. Es versteht sich von selbst, dass wir den Halbmarathon nicht mehr gelaufen sind. Um genau zu sein, haben wir den 10wöchigen Trainingsplan nach 9 Wochen abgebrochen.

Es folgten 3 Wochen Urlaub, in denen wir an insgesamt 8 unterschiedlichen Orten waren, was eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,625 Tagen pro Ort bedeutet. Ein Ort war ein Safariboot. Laufsachen waren zwar im Koffer, sind aber angesichts des logistischen Stresses, den wir uns da angetan haben und mangels Fläche auf dem Boot nie in Aktion getreten. Davon abgesehen sind die klimatischen Verhältnisse in Thailand eher etwas anders als hierzulande und wenn man keinen Bock hat, morgens um 6 Uhr aufzustehen, um seine Kilometer abzuspulen, weil das Hotel kein Laufband zu bieten hat, kann man entweder spätabends nach KM 3 noch auf der Straße in Ohnmacht fallen, oder es einfach lassen. So wie wir.

Um die Pause noch etwas in die Länge zu ziehen, wurde erst ich nach Rückkehr von der Tauchsafari mit einer Mittelohr- und Nebenhöhlenentzündung beglückt und er fing kurz vor Abflug nach Deutschland ebenfalls an mit unangenehm nasalem Ton dank Nebenhöhlenentzündung zu sprechen. Eine Woche später bedankte sich seine Lunge für die Ignoranz mit einer Bronchitis. Wieder Antbiotika, wieder Trainingsverbot für eine Woche. Sicherlich hätte ich alleine laufen können, aber ich hab auch genug anderen Kram zu tun gehabt und man ist ja kollegial.

Nun hat die erste Trainingswoche begonnen. Nach 6 Wochen Laufpause. Die ersten 9,6 Kilometer waren nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern auch extrem langsam – man kann ja auch nicht rennen, wenn man das Gefühl hat, jemand ramme einem bei jedem Schritt ein Messer ins Knie. Links und rechts. Vorne und hinten. Oben und unten. Die mühselig aufgebaute Kondition wie weggeblasen, kaum noch Restbestand. Merkt man insbesondere bei 8 KM Tempotraining, allerspätestens bei KM 3. Der Lauf nach dem Tempolauf like hell, für mich war er nach 6 KM beendet – 3.6 KM vor dem eigentlichen Ziel. Knie, Oberschenkel, kalt, Nase, ichmussdochamsamstagnochlaufenkönnen, Patellasehne, bäh. Am Wochenende gibts direkt 16 KM aufs Auge, zwar langsam, aber selbstredend ohne Gehpausen. Zumindest in den Träumen des Runners World Laufcoachs.

Ich habe mal gelesen, dass man, wenn man so viele Wochen ausfällt, wieder komplett von vorne anfangen kann. Als ich es gelesen habe, hatte ich es gerade geschafft einen 5km-Intervalllauf mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10,27 km/h zu laufen. Stolz wie Bolle habe ich natürlich darüber gelächelt. Aber es ist Fakt. Dauert die Pause länger als meinetwegen einen Urlaub, fällt man von Schildkröte auf Schnecke zurück und das ist mächtig uncool. Dass wir noch mit der ursprünglich angepeilten Zeit von 4h 27min durchs Ziel kommen, ist mittlerweile so unwahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto dieses Wochenende. Aber wir machen weiter, wir müssen ja. Und ich find den Geruch von Voltaren ja auch eigentlich gar nicht so schlimm.

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5 Kommentare on “Kurze Unterbrechung – oder so.”

  1. Dennis sagt:

    Jetzt muss ich lachen – dich hat es also auch erwischt? Bei mir ist es zwar „nur“ ein Halbmarathon, dafür habe ich aber auch 25 kg Übergewicht, bin komplett untrainiert und habe nur acht Monate Zeit… alles wegen *eines* unbedacht fallen gelassenen Satzes.

    Nächste Woche geht’s los. :-)

    • vizekönigin sagt:

      Bei mir war es ein Bericht im Fernsehen, der mich dazu verleitet hat. ;) Was war dein Satz?

      Und hey, 8 Monate – Kindergarten, das schaffst du locker! Echt jetzt! Hast du nen Trainingsplan? Und wo läufst du den HM?

  2. Dennis sagt:

    Mein Satz war: „Klar, meinetwegen können wir im Januar gern mal zusammen laufen gehen.“

    In Köln findet das statt…

  3. Dennis sagt:

    Oh, Frage vergessen… Trainingsplan habe ich noch keinen… ich denke, das findet sich in den ersten Wochen. Aber unter 3x pro Woche werde ich kaum wegkommen… ;-)


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