Für immer.

Ich habe mich tätowieren lassen. In Thailand, per Hand. Also nicht mit einer Maschine, sondern mit einem Bambus-Klöppel, an dessen Ende Nadeln befestigt sind, die dann per händischer Dauerbefeuerung Farbe in meine Haut transportiert haben.

Mein ganzes, tätowiertes Leben lang wollte ich diese Erfahrung machen und nach viel Recherche und Denkerei, habe ich es endlich getan: ein thailändisches, mythologisches Wesen im traditionellen Stil. Und nein, ich habe mir keine Sorgen um nichtdeutschlandsauberes Duschwasser gemacht, auch nicht um die Übertragung irgendwelcher krankheit- und todbringender Viren. In Thailand lassen sich auch Thailänder tätowieren und müssen anschließend duschen und sterben nicht davon und wenn man nicht unbedingt in die allerübelste Kaschemme geht und weiß, dass der Mensch, der einen da gleich für immer zeichnen wird, eher europäische Ansprüche an seinen Hygienestandard hat und man dabei zusehen kann, wie er alte Nadeln weg wirft und neue, sterile auspackt, muss man auch einfach mal vertrauen können.

Schmerztechnisch kann ich ohne zu übertreiben behaupten, dass ich fast ununterbrochen drei Stunden lang durch die Hölle gegangen bin, allerdings ist die Stelle auch sehr dankbar für nervliche Überreizung und ich bin ein Weichei. Die Behauptung, es täte nicht so weh wie mit einer Maschine, kann ich leider definitiv nicht unterstreichen. Ich weiß aber auch nicht, wie es sich z.B. am Oberarm angefühlt hätte, wahrscheinlich weniger dramatisch. Angenehm ist das nicht vorhandene Geräusch der nicht vorhandenen elektrischen Maschine, dieses abartige Summen, was eigentlich kaum von einem Zahnarztbohrer zu unterscheiden ist. Wenn man in Sachen Schmerz schon noch irgendwie klar kommt oder aber sein Maximum an Leidensfähigkeit erreicht hat, ist das für mich bisher immer die unbekannte Variable gewesen, an der das Leben des Tätowierers hing – ich bin wahlweise nach 15 Minuten oder erst nach 2 Stunden durchgedreht. Dieses Mal war es aber nicht so und ich bin 10 cm größer, weil ich mir das allerallerallercoolste Urlaubssouvenir überhaupt mitgebracht habe.