Laufen für einen guten Zweck

Ach übrigens. Die bezaubernde Mellcolm hat angesichts der Katastrophe in Japan eine feine Aktion ins Leben gerufen, um die Welt dort wieder zumindest ein bisschen besser zu machen. Wir machen auch mit und haben unseren Lauf kurzerhand zu einem Charity-Run umfunktioniert. Mit besonders schnellen Zeitunterbietungen, die finanziell in Richtung Japan belohnt werden, kann insbesondere ich nicht dienen, aber wir freuen uns, wenn wir mit jedem gelaufenen KM helfen können.

Zusammen laufen sie 3 x 42km = 126 km durch die schönste Stadt der Welt, vorbei an allen Sehenswürdigkeiten und „zu Fuß“ auf der Champs Elysées!

Shelter Boxen sind Überlebenskisten, die alles enthalten was 10 Menschen die ihr Dach über dem Kopf verloren haben und deren Existenzgrundlage vernichtet wurde in einem akuten Krisenfall benötigen. Enthalten sind u.a. ein Zelt, Wasseraufbereitungsanlagen, Moskitonetze, ein Ofen, Decken und ein Malset für die Kinder.

Eine Shelterbox kostet 750 Euro, d.h. wenn pro Kilometer ein 6 Euro Sponsor gefunden wird, ist die nächste Shelterbox finanziert und weiteren 10 Menschen in der Erdbebenregion Japans kann geholfen werden!

Wir laufen übrigens sogar zu viert, neben Blabbermaul und cbgreenwood ist auch noch Jan dabei. Der twittert zwar nicht, freut sich aber auch über einen KM-Geld-Sponsor. Nur 6 € pro Kilometer, ein kleiner Beitrag für eine große Aktion mit noch größerem Herzen. Lasst unseren Stress der letzten Monate nicht umsonst gewesen sein und helft mit!


Es läuft los.

12 Wochen Training liegen jetzt hinter mir. 12 Wochen, in denen ich gemerkt habe, dass Sport, gesunde Ernährung und sonstige gute Sachen wie keine Zigaretten und quasi kein Alkohol irgendwie nicht unbedingt alles bringen, was ich mir erhofft hatte. In den letzten 12 Wochen bin ich eigentlich immer wieder mal krank gewesen und ich sehe auch sonst gerade nicht unbedingt aus wie jemand, der zwischen 30 und 48 KM in der Woche gelaufen ist. Gut, es gab keine nennenswerte Erkältung im Winter, aber ständig irgendwo Schmerzen. Meine Knie haben sich irgendwann an die Dauerbelastung gewöhnt, meine Sprunggelenke mehr oder weniger – ich darf bei einem langen Lauf einfach nur nicht aufhören zu laufen. Ich habe festgestellt, dass ich Belastungsasthma habe und seit über einer Woche lebe und laufe ich mit einer Zwerchfellreizung. Das ist so wie Seitenstiche auf der kompletten Vorderseite, als ob mir jemand bei jedem Schritt ein Messer in die Rippen hauen würde.

In den letzten 12 Wochen haben wir so ziemlich jedes gesellschaftliche Event in unserem normalen Leben entweder absagen, beschleunigen, verkürzen oder durch einen langen Lauf stören müssen und die Zeiteinteilung unseres Privatlebens wurde eigentlich nur noch nach dem Trainingsplan ausgerichtet. Logisch, bei 4x in der Woche laufen müssen. Zusätzlich sind wir auch noch umgezogen, d.h. ich bin in den letzten 6 Wochen nicht nur jeden Samstag eine Langstrecke irgendwo zwischen Halbmarathon und 32 KM gelaufen, sondern sonntags auch noch häppchenweise umgezogen. Im übrigen auch ein Grund, weswegen hier ziemlich lange nichts über Trainingszustände geschrieben wurde.

Wahrscheinlich wäre es besser, ich würde diesen Marathon nicht laufen, gesundheitlich betrachtet. Was jedoch angesichts der drei Monate Training, sozialer Abstriche, Doppelstress, Schmerzen und Arztrechnungen allerdings mal überhaupt gar nicht in Frage kommt. Und auch nicht muss, ich glaube ja ganz stark an die Macht des Adrenalins, wenn ich zwischen 40.000 Menschen stehe und die Champs Élysées entlang laufe. Und es gibt ja auch einiges gutes, was ich aus den vergangenen Wochen mitnehme: die Erkenntnis, dass dies höchstwahrscheinlich mein einziger Marathon sein wird. Die Freude darüber, in einem Anfall von Größenwahn nicht den New York Marathon 2011 noch dazu gebucht zu haben. Das Wissen darum, dass ich, wie früher auch, immer noch eine bessere Kurzstreckensprinterin bin und dass mir Strecken jenseits der 22 KM einfach irgendwann keinen Spaß mehr machen. Ein Stück weit Freude darüber, dass ich im Hochsommer keine Langstrecken laufen muss, weil ich allerhöchstens noch den Kölner Halbmarathon mitnehme. Der Ehrgeiz, meine 10-KM-Zeit ab übernächste Woche dramatisch zu verbessern. Der Verzehr von komplexen Kohlenhydraten auch am Abend, was eigentlich überhaupt nicht meinen Essgewohnheiten entspricht. Zumindest noch bis Samstag. Die Tatsache, dass mein Mann und ich sehr gut miteinander trainieren können, solange es keinen extremen Ehrgeiz gibt. Und die Fähigkeit, Ruhe und Humor zu bewahren und sämtliche bösen Gedanken an zum Beispiel… den perfekten Mord wegzulächeln wenn Monsieur plötzlich einen Ehrgeiz an den Tag legt, bei dem ich nicht mithalten kann und will.

Wir sind dann mal weg und gucken uns Paris zu Fuß an. Beimlaufenfotografieren hab ich geübt. Drückt uns die Daumen!


Hallo Halbmarathon!

Klingt nach ganz großem Sport und ja, so ein bisschen geil ist es auch tatsächlich, wenn man total geschunden auf sein iPhone guckt und runtastic sagt: 21.1 KM! Nichtsdestotrotz war die Woche an sich eher mittel:

Montag Ruhiglauf: Fangen wir morgens an: Nerv in der Schulter eingeklemmt. Selbstredend der Grund dafür, abends nicht laufen zu können und ja, ich weiß, dass ich nicht auf Händen laufe. Aber da die Füße von der Langstrecke Samstag ohnehin nicht wirklich zu gebrauchen waren, war das auch legitim.

Mittwoch Tempolauf: Wenn man auf halber Strecke der 4.8 KM, die man 1 min/KM schneller laufen soll, als den Rest vorher und nachher, kollabiert und sehr hochtönig stöhnt und pfeift, statt zu atmen, wird es nicht nur unangenehm, sondern auch ehrlich. Mein Mann weiß jetzt, dass ich früher mal Quasi-Asthmatikerin war und ich weiß, dass Ignoranz und jahrelanges Weiterrauchen offenbar doch nicht geholfen haben, die Lunge zu trainieren. Was wohl passiert wäre, wenn ich immernoch rauchen würde?

Donnerstag Ruhiglauf: Morgens, bäh. Ging aber.

Freitag Arzt: Belastungsasthma.

Samstag Langstrecke: Ja wie gesagt. Einerseits schön zu wissen, dass man gerade das erste Mal in seinem Leben einen Halbmarathon gelaufen ist, andererseits hat dieser Lauf 25 Minuten länger gedauert als gewünscht. Was durchaus mit den unzähligen Gehpausen ab KM 15 zu tun gehabt haben könnte. Diese wiederum hingen direkt mit diversen, äußerst unangenehmen Zipperlein und erschöpfungs- und ehrgeizbedingten zwischenmenschlichen Totaleskalationen zusammen. Aber trotzdem gelaufen, immerhin. Und diese gelförmige Flüssigenergie, die gefühlt zu 100% aus mir todbringendem Glukose-Fruktose-Sirup besteht, muss ich ja in Zukunft nicht mehr trinken. Mein Magen wird sich freuen, beim nächsten Lauf nicht mehr zugeklebt zu werden.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich auf der Suche nach einem neuen Paar Knie und Sprunggelenke bin?


Geht so. Läuft nicht.

Wie sagt man so schön? „Da hat sie sich aber nicht mit Ruhm bekleckert.“ Definitiv nicht. Nur ein paar Randinfos für mich, für später, wenn ich mal müde lächelnd auf dieses Irrsinnsvorhaben zurückblicke:

Montag Ruhiglauf: Joa. Dafür, dass ich am Sonntag nach den 16 KM noch dachte, ich würde höchstwahrscheinlich nie wieder gerade gehen können, war es okay. Die 16 KM waren übrigens auch okay.

Mittwoch Tempolauf: Hallo Lunge, hallo Loser. Sollte ein Tempolauf sein, wurde aber eher sowas wie hektisches Rumgestolper mit lustigen Geräuschen, die aus meiner Lunge kamen, langen Gehpausen und einem leicht gereizten Ehemann.

Donnerstag Ruhiglauf: Nicht außergewöhnlich gut, aber auch nicht besonders schlecht. Gemessen an meinen bisher gelaufenen Kilometern allerdings erbärmlich. Und ziemlich langsam.

Samstag Langstrecke: 19 KM. 13 davon easypopeasy, ab dann im Prinzip keinen einzigen Kilometer mehr ohne Gehpause, Schmerzen, Rumgejammer. Irgendwie zu Hause angekommen. Blut, Schmerzen und schon wieder die Lunge.


Lord Helmchen frustriert

Sensationell!


Kurze Unterbrechung – oder so.

6 Wochen. 6 Wochen können normal, besonders lang oder sehr kurz sein. Wartet man 6 Wochen lang auf irgendwas, können diese 6 Wochen sehr lang sein. Ist man 6 Wochen lang krank, ist man gefühlt schon extrem lange krank. Fährt man 6 Wochen lang in den Urlaub, ist es trotz der langen Zeit viel zu schnell vorbei.

Unterbricht man außerplanmäßig sein Lauftraining um 6 Wochen, ist das ziemlich scheiße.

Der feste Wille, einen, nein, den PARIS-Marathon zu laufen, war ja da und mit Anmeldung und Zahlung der Startgebühr ziemlich schnell untermauert. Bis dahin sollte es noch einen Halbmarathon geben, den wir eine Woche vor unserem Urlaub, sprich also vor der im schlimmsten Fall dreiwöchigen Pause laufen wollten. Kein Wettkampf, sondern die HM-Strecke durch unseren Stadtwald, bei Schnee, mit den extra fürs Wald-, Wiesen- und Wintertraining gekauften Trailschuhen, versteht sich. Mit normalem Profil läuft es sich ja nicht so gut auf Halbgefrorenem, is klar.

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Für immer.

Ich habe mich tätowieren lassen. In Thailand, per Hand. Also nicht mit einer Maschine, sondern mit einem Bambus-Klöppel, an dessen Ende Nadeln befestigt sind, die dann per händischer Dauerbefeuerung Farbe in meine Haut transportiert haben.

Mein ganzes, tätowiertes Leben lang wollte ich diese Erfahrung machen und nach viel Recherche und Denkerei, habe ich es endlich getan: ein thailändisches, mythologisches Wesen im traditionellen Stil. Und nein, ich habe mir keine Sorgen um nichtdeutschlandsauberes Duschwasser gemacht, auch nicht um die Übertragung irgendwelcher krankheit- und todbringender Viren. In Thailand lassen sich auch Thailänder tätowieren und müssen anschließend duschen und sterben nicht davon und wenn man nicht unbedingt in die allerübelste Kaschemme geht und weiß, dass der Mensch, der einen da gleich für immer zeichnen wird, eher europäische Ansprüche an seinen Hygienestandard hat und man dabei zusehen kann, wie er alte Nadeln weg wirft und neue, sterile auspackt, muss man auch einfach mal vertrauen können.

Schmerztechnisch kann ich ohne zu übertreiben behaupten, dass ich fast ununterbrochen drei Stunden lang durch die Hölle gegangen bin, allerdings ist die Stelle auch sehr dankbar für nervliche Überreizung und ich bin ein Weichei. Die Behauptung, es täte nicht so weh wie mit einer Maschine, kann ich leider definitiv nicht unterstreichen. Ich weiß aber auch nicht, wie es sich z.B. am Oberarm angefühlt hätte, wahrscheinlich weniger dramatisch. Angenehm ist das nicht vorhandene Geräusch der nicht vorhandenen elektrischen Maschine, dieses abartige Summen, was eigentlich kaum von einem Zahnarztbohrer zu unterscheiden ist. Wenn man in Sachen Schmerz schon noch irgendwie klar kommt oder aber sein Maximum an Leidensfähigkeit erreicht hat, ist das für mich bisher immer die unbekannte Variable gewesen, an der das Leben des Tätowierers hing – ich bin wahlweise nach 15 Minuten oder erst nach 2 Stunden durchgedreht. Dieses Mal war es aber nicht so und ich bin 10 cm größer, weil ich mir das allerallerallercoolste Urlaubssouvenir überhaupt mitgebracht habe.